HERMES


Personalien:
Vater: Zeus
Mutter: Maia
Geliebte: Aphrodite
Nachkommen: (von ?) Pan

"Tatsachen":
Der Götterbote. Ein harmloser Spitzbub, der es jedoch nicht immer mit allem so genau nimmt. Seine Streiche sin unzählbar, so stahl er z.B. Zeus Zepter, den Gürtel der Aphrodite, den Dreizack Neptunus, Hephaistos Zangen, und vieles mehr. Er hat das Recht mit Karons Fähre zur Unterwelt zu fahren, um die Seelen der Toten zu begleiten. Er ist der Gott der Kaufleute und der Reisenden, aber auch der Gott der Diebe. Seine Attribute sind beflügelte Sandalen und ein ebenso beflügelter Helm, wie auch ein Heroldstab. Sein römischer Name ist Merkurius.
Mythos:
Zeus hatte Hermes beauftragt, Io, eine seiner Geliebten, zu befreien. Hera ließ sie nämlich, eifersüchtig wie immer, von Argos bewachen, der hundert Augen hatte. Hermes begriff, daß das keine leichte Aufgabe war, deshalb versuchte er, das Vertrauen von Argos zu gewinnen, indem er ihm Tratsch und Geschichten erzählte. Nach langer Zeit, als die Aufmerksamkeit von Argos nachließ, begann Hermes auf einer Herdenflöte zu spielen und hörte damit nicht auf, bevor alle hundert Augen zugefallen waren. Danach tötete er Argos und Io war wieder frei.
Drehbuch:
Ein Saal im Olymp, Zeus sitzt auf seinem Thron. Vor ihm steht ein empörter Apollon, der einen kleinen Jungen, Hermes, am Kragen hält. Letzterer scheint jedoch ziemlich uninteressiert zu sein und beschäftigt sich damit, einen Schildkrötenpanzer zu untersuchen.
Apollon: Verehrter Vater, jetzt ist es zu weit gegangen. Ich verlange, daß du diesem Schelm die strengste Strafe ausmißt, damit er lernt, sich zu benehmen.
Zeus: Mein Sohn, besinne dich. Siehst du nicht, daß er gerade neugeboren ist? Was soll er denn Schreckliches anstellen können?
Apollon: Ja, es ist wahr, es ist kaum zu glauben, daß in so einem kleinen Wicht so viel Verschlagenheit stecken kann. Aber hör mir zu, verehrter Vater, sodaß du dir selbst von den Missetaten deines Sohnes ein Bild machen kannst: heute Morgen fehlte mir eine ganze Herde meiner Kühe. Ich nahm an, daß sie sich verlaufen hatten und suchte nach ihren Spuren, aber da gab es keine, bevor ich an der Höhle vorbeikam, in der dieser Lump haust. Da fragte ich ihn, ob er nicht meine Kühe gesehen habe; er aber zeigte auf die Spuren, aus denen zu sehen war, daß die Kühe aus der Höhle herausgekommen waren. Aber einige Meter außerhalb verschwanden die Spuren, als ob die Kühe sich in Luft aufgelöst hätten. Ich suchte natürlich weiter, doch ohne jeden Erfolg. Als ich des Abends wieder an der Höhle vorbeikam, ging ich hinein - und da standen alle meine Kühe. Frage mich nicht, wie er es gemacht hat, aber es ist offenbar, daß er mich belogen hat, und mich - für nichts - einen ganzen Tag Arbeit gekostet hat. Ich verlange eine harte Strafe für ihn, damit es ihm eine Lehre sei.
Zeus: Mir scheint, mein Sohn, daß du wirklich auf den Arm genommen wurdest, aber nachdem der kleine Hermes ja nicht zaubern kann, muß er dich mit den Gaben des Verstandes überlistet haben - und ich kann mir nur schwer vorstellen, daß ich so etwas bestrafen will. Aber fragen wir unseren jungen Freund, wie das alles zuging, bevor wir uns ein Urteil bilden.
(Zu Hermes): Wie konnten die Kühe in deine Höhle kommen, ohne daß Spuren hineinführten?
Hermes (der gerade einen Rinderdarm an dem Schildkrötenpanzer befestigt, grinst): Nicht schwer, Papa. Hermes machen Muh-Kuh gehen rückwärts. Große Bruder nicht verstehen gar nichts.
Apollon (droht ihm mit der Faust): Achte auf deine Zunge, Wurm. Er ist tatsächlich frech auch noch.... Wie kam es, daß die Spuren weiter vorne dann ganz einfach verschwanden?
Hermes: Hihihi. Hermes binden Zweige unter Fuß auf Muh-Kuh. Muh-Kuh selber verwischen Spuren. Aber große Bruder nicht traurig sein. (Zupft an den Gedärmen auf dem Schildkrötenpanzer.) Hören. - Hermes erfinden Leier. Große Bruder nehmen, dann große Bruder wieder froh. Gut?
Bernhard Kauntz, Västerås 1998
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