DAS TAGEBUCH
DES HERAKLES

Verwandtschaftsverhältnisse


Es ist recht ansprechend, einen Gott als Vater zu haben. Außerdem nicht irgendeinen Gott, sondern Zeus persönlich. Ich habe ihn zwar bisher nicht so oft getroffen, ehrlich gesagt nur ein einziges Mal, aber ich nehme an, dass es gut für das Selbstbewusstsein ist, nur davon zu wissen. Und den Genen schadet es natürlich auch nicht.

Außerdem ist er nicht nur mein Vater, sondern auch mein Ururgroßvater, beziehungsweise mein Urururgroßvater. Fängt es an, intrikat zu werden? Na, dann beginnen wir einmal von vorne.

Mein Vater besitzt ja ohne Zweifel eine gewisse Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht und das stört ihn überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, möchte ich sagen. Und dann hat er ja auch Fantasie, wenn es sein muss. Stellen Sie sich vor, als Goldregen zu der Frau zu kommen, die man verehrt! Vielleicht hat sie ihm aber auch nur leid getan, als sie in ihrem Turm eingesperrt war, und er wollte sie damit aufheitern. Danae hieß sie übrigens.

Schön, das Resultat hieß Perseus, Sie wissen schon, der, der der Medusa den Kopf abschlug. Es würde viel zu weit führen, von allen seinen Taten zu berichten, aber auf der Heimreise rettete er Andromeda vor einem Meeresungeheuer und dann heiratete er sie. Später verließen sie Argos und gründeten Mykene, das nicht so weit von Tiryns liegt. Dort war der Bruder seines Großvaters König und weil der keine männlichen Erben hatte, bekam Perseus den Thron zugesprochen. Das erklärt, warum seine Nachkommen manchmal als König von Mykene, manchmal von Tiryns bezeichnet werden.

Andromeda und Perseus bekamen eine ganze Schar von Kindern, aber nur drei von ihnen sind für meinen Stammbaum wichtig, nämlich Alkaios, Sthenelos und mein Großvater Electryon. Bisher ist es ja noch ziemlich einfach.

Aber nun ist die Sache so, dass Alkaios unter anderen Amphitryon bekam, mit dem Mama verheiratet ist, und Anaxo, die mein Großvater heiratete. Da kann man wohl von Inzucht reden! Aber andererseits galt es ja auch, die göttlichen Talente in der Familie zu bewahren. Wie auch immer, auf diese Art waren Mama und Amphitryon sowohl Cousinen als auch Onkel und Nichte. Hier haben viele Schwierigkeiten, das zu verstehen, aber so ist es auf jeden Fall.

Amphitryon ist ein anständiger Kerl, er war immer um mein Wohl besorgt, obwohl er eigentlich betrogen wurde, als ich zustande kam. Ich sage eigentlich, weil die Moral meinen Vater wieder einmal den Teufel scherte - nein, das kann man wohl von einem Gott nicht sagen - sagen wir lieber, dass er recht erfinderisch war, um Mama ins Bett zu kriegen. Er wartete nämlich bis Amphitryon einmal auf Kriegszug war, dann kam er sie besuchen und zwar selbst in der Gestalt des Amphytrion. Naja, und Mama hatte wohl keinen Grund zu zweifeln, was ja auch ein Glück war, sonst gäbe es mich nämlich nicht. Es wird auch gemunkelt, dass Zeus die Nacht mit Mama verlängerte, sodass sie dreimal so lang wurde - Boy, oh Boy!

Ich muss wohl auch meinen Halbbruder Iphikles erwähnen, der wirklich Amphitryons Sohn ist. Er ist auch ein anständiger Mensch und er hat jetzt wirklich auch schon eine eigene Familie gegründet und Iolaus als Stammhalter bekommen. Es gibt Leute, die glauben, Iphikles und ich seien Zwillinge, aber die verwechseln wahrscheinlich Mama mit Leda.

Jetzt ist fast die ganze Verwandtschaft aufgezählt. Es fehlt nur der Sohn von Sthenelos, Eurystheus, aber von ihm erzähle ich nächstes Mal, denn jetzt habe ich schon einen Schreibkrampf.


Bernhard Kauntz, Västerås 1998


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