Kleiner Blutgassenhof
Gemüse - Gewürze
Beim Durchspazieren trifft man hier auf viele Kellertore.
In den Kellern wurde nicht nur die
Handelsware Wein gelagert, sondern auch Gemüse (außerhalb der Stadt in eigenen Erdgruben).
Gemüse gab es wenig, und wenn, dann nur in der Saison. Der mittelalterliche Mensch ernährte
sich also hauptsächlich von Brot, Wein und Fleisch.
Beliebt war vor allem Zwiebel, nicht nur weil er Geschmacksträger ist, sondern auch
weil seine Wirkung potenzfördernd galt. Sonst aß man Wildgemüse in Breiform wie
Sauerampfer und Löwenzahn. Tee, Kaffee, Erdäpfel, Kukuruz, Paradeiser, Gurken sowie eine
Vielzahl an Gemüsen waren unbekannt, ebenso wie all jene Gewürze, die aus der Neuen
Welt stammten.
Und gewürzt wurde im Mittelalter so stark, dass oft der Eigengeschmack der Speisen
überdeckt wurde - auch ein Grund für den hohen Weinkonsum, bzw. das Salz
(eingelegte Heringe). Und mit dem Gewürzhandel wurden manche Händler
sehr reich: "Reich wie ein Pfeffersack", was auch auf den hohen Wert der
Gewürze hinweist.
Wasserzisternen im Keller
In den Kellern wurde aber auch in Zisternen Wasser gesammelt, die durch steinerne Rinnen
von der Oberfläche aus gefüllt wurden.
Die Dachrinnen waren eine Erfindung des 13. Jh. und ermöglichten es, das wichtige,
weil "weiche" Regenwasser aufzufangen und abzuleiten.
In Wien erfahren wir erstmals 1335 von Dachrinnen im Zusammenhang mit Streitigkeiten
wegen der Ableitung des Regenwassers, denn das Recht, Wasser aus den Dachrinnen zu
nutzen, konnte auch verkauft werden. So bezahlte die Stadt Wien im Jahre 1455 an den
Verweser des Bürgerspitals 20 Pfund Pfennige für das Recht, auf dem neuen Mehlspeicher
ein Ziegeldach und eine Dachrinne anbringen zu dürfen.
Blutgasse
Gestank und Smog
Die Blutgasse führte früher den Namen Kotgässl.
Die mittelalterlichen Toiletten
Wiens waren vorwiegend in den Innenhöfen der Häuser angelegte Klogruben. Man grub meist
zwei bis zu 8 m tiefe Gruben nebeneinander aus und überdeckte sie mit einem Querbalken
oder einem Toilettensitz. War eine Grube voll, konnte man sie dekompostieren und
benutzte inzwischen die andere.
Ab dem 13. Jh. umgab man den Toilettensitz mit geschlossenen Wänden. Damit war ein
kleines Haus entstanden, das die Wiener Mundart als Häusl bezeichnet(e).
Eine andere Variante war der Toilettenerker, durch den die Exkremente direkt auf die
Straße, in den Garten oder in den Hof fielen, oder Abortanlagen, bei denen der
Toilettensitz durch eine Röhre mit einem unterirdischen Kasten verbunden war.
Da der Weg zu diesen Toiletten oft weit war, besonders nachts, gehörte der Nachttopf
zum unverzichtbaren Inventar des Schlafzimmers.
Toilettenkästen wurden lediglich einmal pro Jahr von unehrlichen Personen geleert. Vorgesehen war,
die Exkremente in Flüssen oder Bächen zu entsorgen. Es gab aber immer wieder Beschwerden,
dass der Kot ganz einfach auf den Straßen hinterlassen werde, um den Transport zum nächsten
Bach zu sparen.
In mittelalterlichen Toiletten wurden unterschiedliche Säuberungsmittel gefunden.
Heu, Blätter, Mooszöpfe bis zu auswaschbaren Leinentüchern. Die vielen kleinen Tonkrüge,
die man in den Klogruben entdeckte, deuten darauf hin, dass manche die
moslemische Methode vorgezogen haben. Oder es handelt sich um Urinale, in denen man
Urin sammelte, welches man zum Beizen verwendete.
Morast
Die Exkremente vermischten sich auf der Straße nicht nur mit dem Straßenschmutz,
sondern auch mit den Ausscheidungen vieler Tiere: Pferde, Schweine (ernährten sich
von Exkrementen und trugen so zur Verbreitung von Parasiten bei), Ziegen, Hühner, Hunde...
Dazu kam, dass es keine öffentliche Toiletten gab, und es galt im Mittelalter
durchaus nicht als unstatthaft, seine Notdurft in aller Öffentlichkeit zu verrichten.
Dazu kamen noch die Gewerbeabfälle und der Hausabfall. Manchmal wurde der Mist aus der
Stadt transportiert und auf der Freyung gesammelt, und
anschließend vor den Mauern abgeladen.
Smog gab es auch im Mittelalter schon: durch das Viertel der Töpfer, wo eine große
Anzahl von Töpferöfen im Norden der Stadt gelegen war. Schmiedeessen, Backstuben, Herde
sorgten für dichten Rauch.
keine gepflasterten Straßen
In Paris wurden die Straßen bereits ab 1200 gepflastert, in Wien kamen lediglich
die Hauptdurchzugsstraßen in den Genuss dieser Maßnahme, und auch nicht vor 1300.
Steckenbleiben im Morast galt als Entschuldigung für Zuspätkommen, so wie heute der
Verkehrsstau.
Um die teuren Schuhe vor dem Dreck und Schlamm der mittelalterlichen Straßen zu schützen,
gab es zusätzlich noch die Trippen, aus Holz gefertigte Unterschuhe, die unter ihrer Sohle
häufig zwei absatzartige Verstärkungen aufwiesen. Die Trippen (Bild), die unter den eigentlichen
Schuhen getragen wurden, konnten durch Lederriemen am Fuß befestigt werden. Trippen ließen
bei ihren Trägern oder Trägerinnen jedoch nur einen trippelnden Gang - wie bei den
Chinesinnen bis zu Beginn des 20. Jhs. oder traditionsbewussten Japanerinnen - zu.
Schuhmode im Mittelalter
Bei den Adligen dagegen wurde im 12. Jh. eine neue Schuhform "hochmodern": der
Schnabelschuh. Angeblich soll ein französischer Graf diese Schuhform erfunden haben,
um seine deformierten Füße in ihnen verbergen zu können.
Eine absolut neue Erfindung war der Schnabelschuh jedoch nicht. Diese Schuhform
wurde schon seit langem im Orient getragen. Wahrscheinlich gelangte er mit anderen
morgenländischen Kulturgütern durch die Kreuzzüge nach Europa.
neu: linke und rechte Schuhform
Neu an den "abendländischen" Schnabelschuhen war nur, dass zum erstenmal ein
rechter und ein linker Schuh unterschieden werden konnte. Diese
Unterscheidung gab es bei den mittelalterlichen Schuhen bisher noch nicht! Als
besonders "schick" hielt man ein unterschiedlich gefärbtes Paar.
Zunächst war der Schnabelschuh nur dem Adel vorbehalten, aber schon bald wurde er auch
von Patriziern, von Geistlichen, sogar von Handwerkern, Knechten und Bauern getragen.
Gefertigt wurden
sie in den Materialien Leder oder Samt. Die Spitzen wurden mit den Zubereitungsabfällen
von Flachs, Hanf usw., ausgestopft. Kostbare Schnabelschuhe wurden zusätzlich noch
mit Perlen oder Goldstücken verziert.
Ja das Gehen mit Schnabelschuhen hatte so seine Tücken! Auch die Zivilbevölkerung
konnte davon ein Lied singen! Um beim etwas schnelleren Vorwärtsschreiten nicht
ständig über die eigenen Füße zu fallen, halfen sich pfiffige Leute, indem sie die
Spitzen ihrer Schuhe mittels eines Kettchens am Knie "hochbanden".
"Wüst an Spitz?"
Selbst die Ritter konnten auf ihre eisernen Schnabelschuhe nicht verzichten.
Die eisernen Spitzen, die erst nach dem Aufsitzen zu Pferde angesteckt wurden,
mussten beim Gehen oder Kämpfen jedoch entfernt werden, da man mit ihnen kaum vorwärts
kam, geschweige denn fliehen konnte.
Fähnrichshof
Stadtentwicklung
Unter den letzten Babenbergern wurde Wien planmäßig ausgebaut. Dabei wurde für eine Stadt, die vom Handel lebt, typisch - besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Plätze gelegt, der
Hohe Markt ist das erste Mal 1233 urkundlich gesichert, der Neue Markt 1234, der
Judenplatz 1294.
Die Rechtecksplätze bildeten neue Siedlungszentren.
Um 1229 waren zwar große Teile der Stadt noch immer unbebaut, das Grundstraßennetz aber
bereits festgelegt, das sich bis zur heutigen Zeit nicht mehr wesentlich veränderte.
Bild: Wien um 900
Viertelmeister
Bereits sehr früh wurde
die Stadt in 4 Viertel unterteilt (Stubenviertel, Kärntnerviertel, Widmerviertel,
Schottenviertel) und jedem Viertel,
nach Berufsgruppen getrennt, eine eigene Wachmannschaft zugeteilt, die sich auf
bestimmten Plätzen zu sammeln hatte. In diesem Hof hier trafen sich die Fähnriche,
daher der Name Fähnrichshof. Der Rat ernannte einen Viertelmeister der die jeweilige
Truppe anführte. Bild: Wien um 1000
Bürgerpflichten: mit der Stadt "leiden"

Jeder Bürger der Stadt hatte Wachdienst, Sicherheitsdienst und Kriegsdienst zu leisten.
Sie mussten "mit der Stadt leiden" - im Gegensatz zu durchziehenden Kaufleuten
z.B. Ab 1500 wurden diese Pflichten gegen Geld an andere Personen abgetreten.
Die Streitmacht, die Wien auf die Beine stellen konnte, war nicht besonders groß (ca. 1000-2000 Mann). 1458, zur Zeit der Bedrohung durch die Hussiten, rückten 5184
Mann und 300 Reiter aus. Davon dürfte aber die größte Anzahl aus Söldnern bestanden
haben. 1529 hat Wien ca. 20 000 Einwohner. Bild: Wien um 1200
Erbbürger waren lehensfähig
Im heutigen Sprachgebrauch ist das Bürgertum ein Begriff für eine bestimmte soziale
Schichte, die gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen hat. Im Mittelalter
war das anders. Die Bürger Wiens waren Erbbürger - die im Gegensatz zu den Händlern
und Handwerkern auch ritterbürtig waren. Sie konnten also auch Lehen empfangen
und vom Ertrag ihrer Liegenschaften, Grundstücke und Weingärten leben. Sie waren
städtische Großgrundbesitzer, die von der Grundrente lebten und ein rittermäßiges
Leben führten.
Bürger in den Ritterstand erhoben
Sie lebten in einem durchaus dem Adel vergleichbaren Wohlstand.
Sie waren Patrizier und fühlten sich als Stadtadel. Sie zogen zu Pferd in den Krieg
und verschrieben sich ganz der ritterlich-höfischen Kultur (1400). Sie lebten in großen
Stadthäusern, in denen es eigene Hauskapellen gab und die von mächtigen und wehrhaften
Türmen überragt wurden.
Im 13. Jh. gelang es einer kleinen Zahl von Familien, sich durch die Aufnahme in den
Ritterstand als Oberschichte von den übrigen Erbbürgern abzusondern. Die bedeutendsten
dieser städtischen Rittergeschlechter waren die Greifen, Haimonen, Breitenfelder, die vom
Kahlenberg, Gottesfelder, Harmarkter, Zeleub und Huetstocker.
Bild: Wien um 1300
Bürger werden mit Weinhandel reich
Ab dem 13. Jh. investierten die Erbbürger ihr Geld nicht mehr allein in Grund- Boden-
und Hausbesitz, sondern setzten es für Handelsunternehmen ein, die zwar mit wesentlich
größeren Risiken behaftet waren, aber auch gewaltige Gewinne versprachen. Begonnen
hat es sicher mit dem Weinhandel.
Wir wissen von großen, in Wien und Umgebung erzeugten Weinmengen, die sicher nicht zur
Gänze in der Stadt konsumiert worden sein können. Man musste also exportieren und mit
der Zeit wurde dieses Exportgeschäft auch auf andere Bereiche, besonders natürlich auf
Luxusgüter, ausgedehnt.
Wien hatte durch seine geographische Lage hier starke Vorteile. Die Donau herab kamen
Güter des Niederrheins und der Niederlande und von Süden führte die Straße von
Venedig an die Donau.
Gewürze, Stoffe aus Italien wurden nach ganz Europa verteilt.
Stapelrecht
Kein fremder Kaufmann konnte Wien umgehen und musste hier seine Waren an Wiener
Händler verkaufen, die dann von den Wiener Großhändlern, und das waren sicher die
Erbbürger, weiter in den Osten und Norden verkauft wurden.
Deutschordenskirche
Wieder zurück in der Singerstraße sieht man schon von weitem die hohen, gotischen
Spitzbogenfenster der Deutschordenskirche, die um 1400 erbaut worden ist.
Deutscher Ritterorden
Der Deutsche Ritterorden wurde während des dritten Kreuzzuges im Jahre 1191 von Kaufleuten
aus Bremen und Lübeck und deutschen Rittern in Jerusalem gegründet. Sie wählten zur
Kennzeichnung ihres Ordens genau die umgekehrten Farben der Johanniter: weißer Mantel
und schwarzes Kreuz.
In Wien ist der Deutsche Orden seit 1222 nachweisbar.
Anfänglich übernahmen die Ritter des Deutschen Ordens nicht nur die Ordensregeln der
Johanniter, sondern kümmerten sich auch wie diese besonders um Kranke und Verwundete.
Und mehr und mehr wurde der Deutsche Ritterorden militärisch tätig. Das Hoch- und
Deutschmeisterregiment besteht allerdings nurmehr in musikalischer Form.
Schatzkammer des Deutschen Ordens
Ab 1526, als der Deutschmeister für immer als Hochmeister anerkannt wurde, führte der
Oberste des Gesamtordens den Titel Hoch- und Deutschmeister.
Diese Funktion nahm meistens ein Habsburger ein, daher gehört die Schatzkammer des
Deutschen Ordens nach der Kaiserlichen Schatzkammer zur bedeutendsten Österreichs.
Ein schönes mittelalterliches Stück beherbergt sie: eine Natternzunge, die für die
Giftprüfung der Speisen verwendet wurde.
Medizin im Mittelalter
Durch die Kreuzzüge entwickelte sich die Krankenpflege weiter
(die Araber hatten ganz hervorragende Ärzte), vor allem kamen neue Betäubungsmittel,
wie das Opium, nach Europa.
Im Frühmittelalter hieß es noch: Gott allein heilt. Erst Benedikt von Nursia, der
um 500 n. Chr. das erste Benediktinerkloster gegründet hatte, legte in seiner Regel
fest, dass die Sorge für Arme, Schwache und Kranke eine christliche Verpflichtung sei.
Lag die Krankenpflege anfangs in Händen der Priesterärzte, wurde es ihnen nach dem
Konzil von 1100 verboten, chirurgische Eingriffe zu machen. Mehr und mehr gab es weltliche
Ärzte.
Medicus und Bader
Der Reiche ging zum studierten Medicus, der Arme zum Bader, der im Unterschied zu
den gelehrten Ärzten empirisch arbeitete. Am häufigsten ließ er seine Patienten zur
Ader, was schon die Griechen kannten. Auch im Kloster war der "Rasierer" fürs Aderlassen
zuständig: der Tonsor machte die Aderlässe.
Aderlassen und Blutegel
Kinder bis 6 Jahre und alte Menschen ließ man nicht zur Ader, ihnen setzte man Blutegel
an. Das war üblich bis zu Kaiser Franz Joseph, dem man bis zu 6 Blutegel am Hinterkopf
ansetzte, um sein Kopfweh zu lindern - der Überdruck sollte weggenommen werden.
Augenkrankheiten und Gicht verbreitet
Einen großen Teil nahmen die Augenkrankheiten ein, gefolgt von den verschiedensten
Hauterkrankungen und Frauenleiden.
Die Gicht war aufgrund der Ernährungsumstände und ungenügender Beheizung der
Räumlichkeiten weit verbreitet.
Lepra
Stand jemand unter Verdacht, Lepra zu haben, so konnte er vor eine medizinische
Kommission gerufen werden, die über sein Schicksal zu entscheiden hatte. Wurde eine
Diagnose auf Lepra gestellt, wurde von dieser Stunde an der Kranke wie ein Toter
behandelt. Er verlor, war er vorher auch noch so reich und angesehen, seine bürgerlichen
Rechte, sein Hab und Gut wurde wie ein Erbe an seine Nachkommen verteilt, er bekam ein
Totenhemd und eine Totenmesse wurde gelesen.
Der Kranke wurde in das Siechenhaus auf der Wieden gebracht und verblieb dort bis
zu seinem Ende. Ein zweites Siechenhaus stand an der Landstraße und war dem 1048
gegründeten Orden des heiligen Lazarus, dessen Aufgabe die Pflege der
Aussätzigen war,
unterstellt (daher unser heutiges Wort Lazarett).
Verließen die Aussätzigen für Bettelgänge das Siechenhaus, hatten sie auf der
Kleidung ein großes rotes Kreuz in einem roten Kreis zu tragen und die Gesunden
durch ein Horn oder eine Holzklapper zu warnen. Heilmittel kannte man keine.
Kleiner Deutschordenshof
Musik im Mittelalter
In der Toreinfahrt erinnert eine Gedenktafel an Mozart, vom Hof aus sieht man in das
alte Musikzimmer des Deutschen Ordens, der mit Groteskenmalerei von 1680 ausgestattet ist.
Gregorianische Choräle
Das Mittelalter war die große Zeit geistlicher Musik. Sicherlich hatten die Menschen
auch Liebes- und Trinklieder, Kampf- und Wiegenlieder. Diese Musik wurde aber nicht
aufgeschrieben. Die schriftliche Überlieferung beschert uns hauptsächlich Lieder der
Verherrlichung Gottes, von Mönchen in Klöstern geschrieben.
Als die Kirche im späten Mittelalter das Land einigen will, soll dies auch mittels
der Musik geschehen. Der Aufbau der Messen und die Abfolge der Gebete, Lesungen und
Gesänge werden bereits von Papst Gregor I im 6. Jh. festgelegt. Im späten Mittelalter
greift man auf diese Sammlung von Gesängen für die Gottesdienstgestaltung zurück. Später
nennt man diese Liedersammlung "Gregorianische Gesänge".
Um 900 entwickelte sich die Neumennotenschrift. Aus Quadraten. Die Handschriften mussten
eine beachtliche Größe haben, damit der gesamte Chor darin mitlesen konnte. Im 10. Jh.
wird ein System aus farbigen Linien entwickelt, das als Hilfestellung beim Singen der
einzelnen Silben gedacht ist.
Großer Deutschordenshof
Hier war der Wirtschaftshof des Deutschen Ordens, der von Pferdeställen umgeben
war. Die heutige Gestaltung stammt von 1785.
Im Innenhof befindet sich der Schanigarten von Haas & Haas. Ein Tee-Spezialitätengeschäft.
Im Mittelalter kannte man Tee noch nicht, dafür war Bier das Volksgetränk Nr. 1. Das
einfache Volk trank nicht aus edlen Trinkhörnern, wie hier auf dem Bild eines zu sehen ist,
sondern aus Bechern, die aus Holz oder Leder gefertigt waren.
Bierproduktion
Bis zum 8. Jh. stellte es der Verbraucher noch selbst her, dann aber wurde das Braurecht
vorzugsweise den Kirchen und Klöstern verliehen.
Haltbarkeit des Bieres
Um die Haltbarkeit der Biere zu verlängern, fügte man Hopfen oder Gagel hinzu.
Gagelbier, das hauptsächlich im norddeutschen Raum getrunken wurde, kann zum Erblinden
und zum Tod führen. Trotz dieser gefährlichen Nebenwirkungen wurde seine Herstellung
erst im 18. Jh. verboten.
Gewürzbiere
Gegen Ende des 13. Jhs. wurde das Bier gewerbsmäßig produziert. Und bis zum
Jahre 1516 herrschte ein reichliches Angebot an unterschiedlichsten Biersorten.
Je nachdem, welches Gewürz dominierte, gab es Wacholderbier, Lavendelbier, Ingwerbier
etc. Der "Würzphantasie" waren keine Grenzen gesetzt worden.
Reinheitsgebot um 1500
Im Jahre 1516 war mit dieser Biervielfalt Schluss. Denn der Herzog Wilhelm IV. von
Bayern erließ ein Reinheitsgebot, das in Deutschland noch heute gültig ist. Bier durfte
danach ab sofort nur noch aus den reinen Naturprodukten Hopfen, Malz und Wasser gebraut
werden.
Tischsitten im Mittelalter
Die Tischsitten des Mittelalters waren nicht so schlecht, denn da mit den Fingern
gegessen wurde, bedurfte es einer gewissen Hygiene. Es wurde das öffentliche Händewaschen
eingeführt, und es war verboten, sich ins Tischtuch zu schneuzen. Meistens war es dann
die Kleidung, da die Servietten erst in der Renaissance wiederentdeckt wurden.
Bild: Aquamanile - kostbares Gefäß zum Händewaschen
Besteck
Das älteste Besteck ist der Löffel, der einen kurzen Stiel hatte und den man mit der
Faust hielt. Lange Löffelstiele sind erst seit dem Ende des 16. Jh. üblich, seit auch
Suppen am Speiseplan stehen.
Ursprünglich waren die Löffel ganz aus Holz, die Reichen hatten Silberlöffel mit
Elfenbeingriffen, ab dem 15. Jh., im Spätmittelalter wurden Zinnlöffel üblich.
Das Messer gehörte zur Grundausstattung des Mannes. Der Löffel wurde ebenfalls
ständig mitgetragen (auf dem Hut, am Gürtel).
Für das Messer hatte jeder sein eigenes Futteral.
Die Gabel wurde erst im 11. Jh. in Italien eingeführt.
Die Gabel wurde lange von der Kirche als Teufelswerkzeug verteufelt. Die Gabel wurde
lange Zeit nördlich der Alpen wegen der Klebrigkeit derartiger Speisen, vornehmlich beim
Verzehr von Obst oder Konfekt verwendet. Sie waren demzufolge auch nicht selten aus
Edelmetall gefertigt. Die Gabel hatte ursprünglich nur
zwei Zinken - für Fleisch; mit dem Aufkommen von mehr Gemüsespeisen ab dem 17. Jh.
bekam die Gabel drei Zinken.
Stephansplatz
Schule bei St. Stephan
Die erste Schule in Wien wird erstmals
1237 erwähnt, "Schule bei St. Stephan". Sie
stand zuerst unter kirchlicher Leitung, und ab 1296 unter der Aufsicht der Stadt
Wien als "Bürgerschule" (GT Churhaus). Ab 1300 holte man Magister aus Paris,
der damals berühmtesten Universität, als Rektoren. Auch später sollte der Rektor
dieser Schule eine bevorzugte Stellung unter den Rektoren der Wiener Schulen einnehmen,
dies auch deshalb, da diese Schule auch nach der Errichtung der Universität für lange
Jahre die einzige Stelle blieb, in der in Wien Theologie gelehrt werden konnte.
Der ursprüngliche Standort dieser Schule ist nicht bekannt, doch könnte der Name der
Schulerstraße vielleicht ein Hinweis auf die Lage sein. Später übersiedelte die Schule
an die Stelle des heutigen Churhauses am Stephansplatz und befand sich hier bis 1740.
Es ist nicht bekannt, wie viele Schüler die Schule besuchten, aber es werden schon so
viele gewesen sein, dass die Gründung einer eigenen Wiener Universität als notwenig
erschien und so verwirklicht wurde.
Das Schuleintrittsalter war 7 Jahre (für die, die es sich leisten konnten). Die Schüler
hatten die Verpflichtung, an allen Messen teilzuhaben und an allen Leichenbegängnissen
mitzugehen.
Bild: Eine mittelalterliche Schulstube. Der Lehrer ist mit einer Rute "bewaffnet", die weißen
Tauben und schwarzen Raben auf den Köpfen der Schüler sind Symbole und entsprechen
in ihrer Bedeutung den "weißen" und "schwarzen" Schafen.
Stephansdom
Stephansfriedhof: Er umfasste fünf Gräberfelder (durch Wege getrennt), in deren Mitte
der Dom aufragte.
Vier Tore, die zur Nachtzeit geschlossen wurden, führten aus den angrenzenden Gassen
auf den Friedhof.
Fürstenhügel: von hier aus pflegten die Landesfürsten zum Volk zu sprechen, diesem
Brauch huldigte vor allem Albrecht VI. Palmbühel: hier wurde die Palmzweigweihe durchgeführt.
Studentenbühel.
Friedrichsgiebel: Man sagt im allgemeinen, der Stephansdom wurde im Mittelalter
begonnen und
fertiggestellt - im Gegensatz zu anderen großen Kathedralen wie Köln oder Mailand,
die erst im 19. Jh. vollendet wurden.
Mit gotischem Zierrat versehen wurde am Wiener Dom auf der Südseite allerdings
nur der westlichste Wimperg, unter der Regentschaft Friedrich III - daher auch
Friedrichsgiebel genannt. Die restlichen waren bis ins 19. Jh. nur mit Malerei versehen.
Der Giebel bekrönt den Rhythmus der Doppelfenster des Schiffes und gliedert das
hohe steile Dach, das alle 3 Schiffe umspannt
Bautechnik
Wimperge: Nichts an der Kirche ist überflüssig oder umsonst. Es gibt Dinge, die haben
entweder eine
symbolische oder statische Bedeutung. Wenn der Wind auf die riesige Dachfläche prallt, hat
das einen enormen Druck. Um diesen Druck zu vermindern, zu brechen gibt es diese Wimperge
(Windberge) die großen Zacken, die verhindern sollen, dass der Druck auf die große
Dachfläche prallt.
Die Fialen, die filigranen Türmchen auf den Strebepfeilern haben ebenfalls statische
Funktion, sie "beschweren" den Pfeiler, der den Gewölbeschub in sich aufnehmen muss.
Bild: Die Scheibtruhe, unentbehrliches Hilfsmittel auf jeder modernen Baustelle, kam erst
im 15. Jh. in Gebrauch und entwickelte sich aus einer Art Tragbahre (siehe Bild unten),
auf der man
Lasten beförderte.
Arbeitsmittel
Für den Lastentransport in größere Höhen
benötigte man Baukräne. Die einfachste Art
war eine Rolle, über die ein Seil lief. Mit der Zeit kamen auch Kräne in Form von
Galgen in Gebrauch.
Zu Beginn des Mittelalters verwendete man noch Körbe, die aber keine Sicherheit gegen das
Herauskippen gewährten. Ab dem 13. Jh. wurde der Wolf verwendet (von oben Spitze
eingeführt, spreizt sich auf Zug). Später verwendete man große Zangen, die sich auf
Zug schlossen, und den Quader fest umfassten.
Reliquien - Heiltumstuhl
Vor dem Riesentor befand sich einst
kein freier Platz. Parallel zur Westfassade stand eine Häuserzeile und der
Heiltumstuhl.
Man errichtete 1483 einen Torbogen mit einem ausgedehnten
Obergeschoss, von dem aus Reliquien am ersten Sonntag nach Ostern und
zu hohen Feiertagen
der versammelten Menge gezeigt werden konnten. Das dies auch Anlass zu bunten
Volkstreiben war, sieht man auf dem Bild.
Reliquien zogen viele Gläubige an, die sich allein aus der Betrachtung
dieser Objekte
eine Vergebung ihrer Sünden oder Heilung von einer Krankheit erhofften. Mit
den Spenden der Pilger wurde der
Bau der Kathedrale unterstützt.
Man unterschied zwischen Primärreliquien ("echte") und Sekundärreliquien
(Materialien, die mit den "echten" in Berühung gekommen waren, z.B. Stoffe,
Knochen...). Beide hatten die gleich starke Wirkungskraft!
Schon Rudolf IV, unter dem der Dom wichtige Erweiterungen erfahren hatte,
war ein eifriger Sammler von Reliquien und unter ihm wurde auch der
Kolomanistein in den Stephansdom übertragen.
Der Heiltumstuhl behinderte mit der Zeit den Verkehr und wurde wieder
abgetragen.
Zurück zum Seitenanfang