Wien im Mittelalter

Kärntnerviertel


Zusammengestellt von Fremdenführerin Hedwig Abraham

Ich möchte einladen zu einer Wanderung durch das mittelalterliche Wien. Nicht die großen Schlachten und Friedensschlüsse stehen im Vordergrund dieser Führung, sondern das Leben in der Stadt, die Organisation der mittelalterlichen Gesellschaft, ihre Kultur, die Sorgen und Nöte, Ängste und Feindbilder der Menschen. Nicht das Mittelalter ist "finster", sondern unser Wissen über das Mittelalter.

Es war eine bunte, lebendige Zeit, deren Menschen ihr kurzes Leben zu nutzen getrieben waren, es gleichzeitig aber auch als Vorbereitung auf den Endzweck, den Tod und die Aufnahme ins Paradies, ansahen.

Wie dachten Menschen, die sich auf einer Scheibe im Mittelpunkt des Kosmos glaubten und gleichzeitig an einer einfachen Blinddarmentzündung unweigerlich starben, die himmelanstrebende Kathedralen zu Ehren ihres Gottes bauten, und doch nicht fähig waren, eine Wasserleitung in ihre Stadt zu legen?

Unergründlich scheint uns heute, die Religion als bestimmendes Lebenselement zu sehen, den Menschen an den Rand und Gott in den Mittelpunkt zu stellen, noch dazu einen rächenden und strafenden Gott, das Leben als Strafe auf Erden zu betrachten und Erfüllung nur im Jenseits zu finden.



Route: Walfischgasse, Kärntnerstraße, Rauhensteingasse, Ballgasse, Weihburggasse, Franziskanerplatz, Singerstraße, Blutgassenviertel, Stephansplatz

Walfischgasse


Stadtmauer

Eine Gedenktafel Ecke Walfischgasse/Kärntnerstraße erzählt von der Stadtmauer.
Nachdem die Babenberger die Stadt Wien als ihren Residenzort übernommen hatten, erfolgte mit dieser Rangerhöhung ein Ausbau der Stadt. Die Stadtmauer wurde neu gebaut, auf der heutigen Größe der Altstadt!!! (Bild: Schedelsche Weltchronik, 1492) Dass die Wiener sie auch instandhalten konnten, hatte der Landesherr den Wienern die Burgmaut übertragen.

Vor der Stadtmauer befand sich der Burggraben, der in Friedenszeiten mit Futtergras bepflanzt war, wo Fischteiche angelegt wurden, eine Zeitlang wurde der Stadtgraben auch als Tierzwinger benutzt.

Die Türme der Stadtmauer (Kärntnerturm, Roter Turm, Stubenturm, Widmerturm, Schottenturm) waren mehrere Etagen hoch und erreichten Höhen bis zu 22 m, die Fassaden waren oft bemalt oder mit Freskos und Wappen geschmückt.
So befand sich um 1526 am Stubentor ein großer Christophorus, der Schutzpatron der Reisenden. Der Kärntnertorturm (Bild) war der mächtigste, in ihm war auch ein gefürchtetes Gefängnis untergebracht.


Kärntnerstraße

Kärntnerstraße Schottenalter.jpg - 68412 Bytes

Bild: Schottenaltar 1469, Heimsuchung Mariens, Kärntnerstraße.
Dieser gotische Wandelaltar mit Passionsszenen und Szenen aus dem Leben Mariens, stammt aus dem Schottenstift. Als Hintergrund für einzelnen Szenen setzte der Künstler Stadtansichten von Wien.
Heute im Schottenmuseum aufgestellt. Der Wandelaltar hat eine Werktags-, Sonntags- und Feiertagsseite. 21 Tafeln sind noch erhalten. Einige davon befinden sich im Mittelalter Museum Unteres Belvedere.
Kärnterstraße: Bereits ab 1257 wird der Name erwähnt, hieß auch eine Zeitlang Karnerstraße und auch Venedigerstraße, da ihr weiterer Verlauf über Wiener Neustadt, den Semmering, über Triest bis nach Venedig führte und der Handel mit fernen Gebieten florierte. Die Verlängerung der Kärntnerstraße im 10. Bezirk heißt heute noch Triesterstraße. Der Haupt-, Ausgangs- und Endpunkt für den Adriahandel war der "Neue Markt", der damals noch baulich von der Kärntner Straße getrennt war. Mit einer Größe von 90 x 170 m bot er Platz für die unzähligen Händler, Handwerker und Kaufleute, die dort ihre Geschäfte abwickelten.


Burgbelagerungen

Das Palais Esterhazy ist zwar das älteste Gebäude der Kärntnerstraße, wesentlich älter ist die Stammburg der Esterhazys in Eisenstadt. Einst von der Familie Kanizai gebaut, diente der große Rittersaal später Haydn als Konzertsaal... .

In der Kriegstechnik war man im MA nicht heikel. Bei der Belagerung verwendete man als Geschosse für den Katapult zur Abschreckung die Köpfe von Feinden, Bienenkörbe, Mist, und Tierkadaver - damit sich Seuchen ausbreiteten. In England wurde 1995 ein kleines Automobil (476 kg ohne Motor) mit Hilfe eines nachgebauten Katapultes (Trebuchets) 80 m weit durch die Luft geschleudert....

Die seit dem 14. Jh. eingeführten Feuerwaffen und Kanonen bedeuteten das "aus" für diese mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Sie verloren somit im 15. Jh. ihre ursprüngliche Funktion als Wehranlage, wurden von ihren Bewohnern verlassen und dienten nur noch zur Lagerung von bäuerlichen Abgaben oder als Gefängnisse.


Malteserkirche

Wasserprobe.jpg

Man würde hinter der klassizistischen Fassade von 1810 nicht unbedingt gleich eine mittelalterliche Kirche vermuten. Einem aufmerksamen Beobachter entgeht unschwer das Patrozinium der Kirche. Daneben verläuft die Johannesgasse, das Relief im Fassadengiebel und das Hochaltarbild zeigen Johannes den Täufer.

Johannes der Täufer war der Vorläufer und Wegbereiter Christi, und taufte diesen im Fluss Jordan. Das war später die Erklärung für die Wasserprobe (Bild): Sünder spuckten das heilige Wasser wieder aus.... Den Tod hat Johannes gefunden durch Salome, die sich von ihrem Vater Herodes einen Wunsch erbitten durfte: den Kopf des Johannes.

Um 1200 hat der Babenberger Leopold VI die Johanniter nach Wien geholt, 1250 wurde eine Kapelle erbaut und 100 Jahre später der gotische Neubau. Aus dieser Zeit ist ein sehr schöner Schlussstein im Eingangsgewölbe vorhanden.


Johanniter, Malteser genannt

Der Orden der Johanniter wurde 1099 von einem französischen Ritter mit dem Namen Gérard in Jerusalem gegründet. Nach der Rückeroberung des Heiligen Landes durch die Muslime verlegten die Johanniter ihren Hauptsitz nach Malta, seitdem werden sie auch Malteser genannt und haben als Ordenstracht einen schwarzen Mantel mit weißem Kreuz.

Ihre Aufgaben sehen die Johanniter heute nur mehr in der Pflege von Kranken und Verwundeten und in der Hilfe von Armen. Einst war es aber auch die Kriegsführung gegen Ungläubige. Ritter übernahmen Ordensämter, geistliche Brüder die Seelsorge und einfache Brüder die Krankenpflege, den Kriegsdienst und Handwerk. Die Johanniter nahmen nach den Kreuzzügen den Kampf gegen die "Heiden" im Mittelmeer auf, der Deutsche Orden begann an der Ostsee. Als Ritterorden gab es noch weiters den Templerorden, den St. Georg Ritterorden und den Orden vom Goldenen Vlies.


Rauhensteingasse


Ehrloser Henker

Erst ab dem 13. Jh. ist in Wien ein Henker verzeichnet. Zuvor übten Schergen, Fronboten oder der jüngste Schöffe das Amt aus. Seine Wohnung hatte der Henker anfangs außerhalb der Stadt, oder in ihrem entlegensten Winkel, denn so notwendig seine Dienste auch waren, so verachtet war er dafür und seine Unehrlichkeit ging bis über den Tod hinaus auf seine Nachkommen über, was dazu führte, dass das Scharfrichteramt oft für lange Zeit in einer Familie blieb.

Der Henker galt also als ehrlos, weshalb man ihm auch in Wien die Aufsicht über andere ehrlose Personen wie den Dirnen, übertrug, von deren Abgaben er später auch bezahlt wurde. Davor stand es ihm frei, seinen offenbar geringen Lohn durch die Sammlung von Spenden auf Straßen und Plätzen aufzubessern, bis dies 1428 untersagt wurde. Zu den Aufgaben des Henkers gehörten auch Arbeiten, die nicht einmal die ärmsten Bürger übernehmen wollten, wie die Beseitigung der Schlachterabfälle und das Reinigen der Aborte und Abtritte.


Gefängnis und Folterkammer

Im Spätmittelalter erhielt der Henker in Wien in der Rauhensteingasse sein Quartier zugewiesen. Dieses "Schergenhaus" benannte Gebäude diente auch als Gefängnis und Folterkammer und manchmal sogar als Hinrichtungsstätte, so wurde hier 1485 ein Bürgermeister wegen angeblicher Unterschlagungen gehängt. Die Gefangenen sollen auf Dacken auf rauhem Stein gelegen haben. Daher die Redewendung: "auf der Dackn liegen..."

Hinrichtung.JPG 1501 wurde ein Henker von der Menge gelyncht, der bei einer Hinrichtung am Hohen Markt mehrere Hiebe gebraucht hatte, um ein Haupt abzuschlagen. Das gab dem Magistrat den Anlass, einen "Freimannsfrieden" zu verkünden, der festlegte, dass in Zukunft solche Kunstfehler nur durch den Magistrat zu ahnden waren. Da eine misslungene Hinrichtung nach altem Volksbrauch die Freilassung des Opfers bedeutete, versuchte man sich dies ebenfalls zunutze zu machen. Der Geheimschreiber des Matthias Corvinus sollte wegen Hochverrats 1485 enthauptet werden. Seine Freunde bestachen den Henker, der ihn nur an der Schulter verletzte. Die empörte Menge entriss ihm das Opfer und brachte es in eine nahegelegenes Haus, wo es dennoch wenige Stunden später verblutete.

Der Beruf des Henkers hat erst seinen Makel verloren durch ein Reichsgesetz von 1731, das alle Ehrlosen und Ausgeschlossenen für zunftfähig erklärte. 1772 verfügte Maria Theresia in einem Patent zusätzlich die Ehrlichmachung des Henkers und seiner Familienmitglieder.


Blumenstockgasse


Heuriger im Mittelalter

Der Stadtheurige Gigerl ist Stammlokal vieler Wiener. Die ersten Heurigen wurden erstmals 1350 erwähnt, seit dem 15. Jh. ist der Föhrenbuschen üblich. Wein war im Mittelalter nicht nur Genuss- und Nahrungsmittel, sondern auch wichtige Handelsware. Während sich der Adel süße Weine importierte, versetzte Otto Normalverbraucher den sauren Wiener Wein mit Gewürzen. Ein letztes Relikt der mittalalterlichen Würzweine ist der Glühwein.
Mit Wein wurde auch gekocht, Essig hergestellt, und er wurde als Medizin eingesetzt (Branntwein). Auch in der Fastenzeit war Wein erlaubt. Von der Fastenzeit waren Bettler, Pilger, Botengänger, Reisende ausgenommen.

Über den Tag verteilt trank der mittelalterliche Mensch mindestens einen Liter täglich. Schon bei Tagesanbruch nahmen die Menschen Wein zu sich, allerdings war der gewassert.


Weinlese im Mittelalter

Die Weinlese war im Mittelalter noch mühsamer als heute (zumindest fürs Kreuz). Gab es doch zuerst die Niederkulturen, dann die Stockkulturen (wie hier auf dem Bild), die heute üblichen Hochkulturen wurden erst um 1950 vom österreichischen Weinproduzenten Lenz Moser "erfunden".

Für das Zugvieh, also Ochsen und Pferde, gab es nun ein verbessertes Zaumzeug. An die Stelle der bis dahin allein gebräuchlichen Riemen, die alle Last auf die Brust des Zugtieres legten, dass sie leicht dessen Fell wund scheuern konnte, trat nunmehr das gepolsterte, hölzerne Joch, das die Zuglasten dann auf eine erheblich größere Körperfläche der eingeschirrten Tiere verteilte, außerdem konnten sie nicht mehr ausbrechen.

Man begann, die Tiere im Vierergespann einzuschirren. Als seit dem 13. Jh. in Europa Pferde die Ochsen als Zugtiere verdrängten, versuchte man größere und stärkere Rinder zu züchten, aber kein Rind konnte es mit den Kaltblütern aufnehmen.

Die vermehrte Zugkraft, die das erbrachte, revolutionierte ihrerseits den Wagenbau. Zu dem zweirädrigen Karren, den schon die Antike kannte und der bis dahin ausschließlich im Gebrauch war, setzte sich nunmehr der vierrädrige Wagen, geeignet für das Bewegen schwerer und sperriger Lasten, ebenso auch geeignet für den Personentransport. Er fand Verwendung bei zivilen, wie bei militärischen Aktionen. Solche Wagen trugen bis zu 4 Tonnen Last. Rüben, Heu, Getreide oder auch Mist zum Düngen der Felder. Mit Hilfe von aufgesteckten "Leitern" konnte man den Wagen hoch beladen.


Ballgasse


Kriegerisches Mittelalter

Gekrümmte Straßenverläufe, so wie hier in der Ballgasse, waren im Mittelalter üblich. Damit erschwerte man dem Feind den Angriff. Denn um die Ecke konnte dieser schlecht schießen.
Die "Bürgerliche Tischlerherberge" auf Nr. 8 diente als Unterkunft für wandernde Gesellen. Drei Jahre und einen Tag mussten sie auf der Walz sein.

Unter den Gesellen gab es strenge interne Verhaltensregeln. Wenn man die durchbrach, konnte einem als Strafe zum Beispiel das Ohrläppchen aufgeschlitzt werden, daher sagen wir heute noch: "Das ist ein Schlitzohr". Auch andere Redewendungen, die im Mittelalter wurzeln, sind heute noch gebräuchlich: "jemanden ins Visir nehmen", "etwas im Schilde führen" , "den Spieß umdrehen" usw.


Weihburggasse


Mittelalterliche Häuser

Hausma.jpg Einige der Häuser hier haben noch einen mittelalterlichen Baukern. Die Anfänge des Baues von Steinhäusern in Wien werden um 1250 gesetzt. Man nimmt an, dass nach dem Bau der ersten Stadtmauer Wiens nun genügend mit der Steinbauweise erfahrene Handwerker zur Verfügung standen, welche die Technik beherrschten und solche Häuser auch kostengünstig herstellen konnten. Zugleich mögen auch die zahlreichen Stadtbrände, die in periodischen Abständen Wien heimsuchten, die Bürger bewogen haben, ihre Häuser aus Stein zu bauen. Bis 1300 bestanden die meisten Häuser aus Lehm, Stroh und Holz. Entweder Blockhäuser oder Fachwerkhäuser. Bei vielen Häusern ragte das obere Stockwerk ein Stück über das Erdgeschoss vor (um mehr Wohnraum zu gewinnen), wodurch es in den schmalen Straßen auch bei Sonnenschein finster war.

Als ein für Wien besonders charakteristischer Haustypus darf das sogenannte Langparzellenhaus (Bild) gelten, das mit seiner giebelseitigen Ausrichtung zur Straße zumeist über drei Achsen verfügte, im zur Gänze überwölbten Erdgeschoss Läden oder Werkstätten beherbergte, während das Obergeschoss Wohnzwecken vorbehalten war. In Wien wechselte ein Haus im Durchschnitt alle 10 Jahre den Besitzer - also sehr oft! Ein Haus war damals ein Prestigeobjekt....


Fenster

Die Fenster verrieten den gesellschaftlichen Status einer Familie. Die Fenster waren selten aus dem damals sehr teuren Glas, sondern aus Papier, Pergament, Leinwand, Fischblasenhaut oder gespaltenem Tierhorn. Horn war ein preiswertes und vielseitig verwendbares Material (z.B. auch Löffelherstellung). Zur Herstellung einer Fensterscheibe wurde das Horn drei Monate in Wasser eingeweicht, dann entrollt, gespalten und so lange poliert, bis es lichtdurchlässig war. Diese Hornfenster waren billiger und haltbarer als Glasscheiben und ließen genug Licht einfallen. Allerdings konnte man nicht so gut durch sie hindurchblicken (siehe Bild).


Küche

Die mittelalterliche Wohnung war um den Herd, die einzige Feuerstelle im Haus, aufgebaut. Da der Herd ursprünglich die einzige Wärmequelle im Haus war, war die Küche Mittelpunkt des Lebens: der Familie, des Gesindes, und alle schliefen um den Ofen, inklusive das Kleinvieh.

Die einzige Möglichkeit, Licht und Wärme zu erzeugen, bestand in der Einrichtung einer Feuerstelle durch Verbrennen von Holz oder vorzugsweise Holzkohle. Dies führte zu einem gewaltigen Holzbedarf, dem nach und nach die Wälder der Wiener Umgebung zum Opfer fielen, was sich aus den aus dieser Zeit stammenden topographischen Bezeichnungen wie Kahlenberg widerspiegelt. Dem Wienerwald dürfte bereits in römischer Zeit ein beträchtlicher Teil seines Holzreservoires entnommen worden sein, ein zweites Mal beraubte ihn das Mittelalter so vieler Bäume, dass das für Wien benötigte Holz schon bald auf der Donau herangeflößt werden musste. Erst im Spätmittelalter begann man, Braun- und Steinkohle als Heizmaterial zu entdecken und so die Wälder zu entlsasten.

Die Küche versuchte man mit Steingewölben und gepflastertem Boden feuersicher zu halten. Die Hitze des offenen Feuers wurde mittels Ketten geregelt, auf denen die Kessel hingen. Im 13. Jh. ersetzten Töpfe aus Eisen, Bronze oder Kupfer allmählich das Tongeschirr. Bauchige Kessel hängte man mit Kesselhaken über dem Feuer auf oder stellte sie in die heiße Asche.


Stube

Als sich das Stadthaus vergrößerte, hat man Kammern angebaut und seit 1300 hören wir von einer Stube. Das besondere an der Stube war, dass sie rauchlos war, d.h. mit einem Hinterladerofen geheizt wurde. Dieser sah ursprünglich aus wie ein Backofen, dann wurden Fliesen und ein Turm aufgesetzt, um die Wärmefläche zu vergrößern. Nur die Adeligen konnten sich einen Vollkachelofen leisten.
Die Stube war gezimmert, mit Holz verkleidet, daher leitet sich unser Name Zimmer ab.


wenig Möbel

Die Einrichtung war sehr einfach. Eine rundumlaufende Sitzbank, die auch als Schlafgelegenheit dienen konnte. Der Stuhl war eine Seltenheit, er war ein Repräsentationsmöbel.
Der Tisch zählte zu den wichtigsten Einrichtungsgegenständen. Hier trafen sich die Bewohner zum Essen, der Tisch war Zentrum der Kommunikation. Es gab Tische mit eingelegten Steinplatten, wie auch ausziehbare, bzw. zusammenklappbare Tische. Um 1400 gab es eine weitere Tischform: den Schreibtisch.
So manch heute vertrauter Einrichtungsgegenstand fehlt im Mittelalter, zum Beispiel der Kleiderkasten. Die wenigen Habseligkeiten die man hatte, waren in verschließbaren Truhen untergebracht.


Schlafzimmer

Geschlafen hatte man in ungeheizten Räumen, daher waren zum Kälteschutz (auch Schutz gegen Ungeziefer) die Betten sehr hoch (Abstand zum kalten Boden) und mit einem Holzgestell für einen Baldachin umgeben. Prinzipiell schlief man im Mittelalter nackt, höchstens mit einer Schlafhaube. Der Arme auf einer Strohmatratze, der Reiche auf Spanngurten (ab 1400) statt der harten Bretterböden, mit Daunendecken und vielen Polstern. Die Betten dürften auch kürzer gewesen sein, schlief der Mensch doch nicht selten in einer beinahe sitzenden Haltung.

Auf dem Bild sieht man die mittelalterliche Schreibweise der Zahl Vier: ein halber "Achter" - oben auf der Bettvorderseite sieht man die Jahreszahl 1514 eingraviert.


Badestuben

Bbadestuben bunt klein.jpg Neben dem Innenhof, in dem sich "Die vermischte Warenhandlung" befindet, ist der Eingang zum Kaiserbrünndl. Einst war hier eine Badestube - heute ist hier eine prächtigst ausgestattete Sauna, die leider nur Männern zugänglich ist.

Die Menschen im Mittelalter legten großen Wert auf die Körperpflege. Allerdings erst seit den Kreuzzügen...vorher wusch man sich in Lavoirs. Ab 1300 sind Badestuben in Wien urkundlich erwähnt. Hatten der Hof und die Adeligen ihre privaten Badestuben, mussten sich die Bürger mit öffentlichen begnügen, die Ärmsten wuschen sich in den Bächen oder in der Donau.

Die Badezeiten wurden durch den Bader angekündigt. Man gab seine Kleidung in einer bewachten Garderobe ab, wurde dann mit Seife, die seit 1300 aus Venedig, Frankreich und den Niederlanden importiert wurde, von einem Badewibel gründlich gereinigt, dann begab man sich in die Schwitzsauna und dann in den Badezuber, wo man durchwegs nicht alleine badete. Für Unterhaltung sorgten die Spielleute. Die Syphilis setzte um 1500 den öffentlichen Badestuben ein Ende.
Behandelt wurde sie u.a. mit Quecksilbersalben - davon leitet sich der Name Quacksalber ab.


Franziskanerplatz


Bettelorden - Franziskanerkloster

tonsurfranz.jpg Aufgrund der rasch wachsenden Stadt wurden nach dem Schottenstift bald weitere Kirchen gegründet, und die Bettelorden folgten: Zuerst die Minoriten, dann Dominikaner und die unbeschuhten Augustiner. Die Franziskaner kamen 1450. Um 1500 versorgten 750 Mönche die 20 000 Seelen der Wiener. Der hl. Franz von Assisi hat um 1200 einen Bettelorden gegründet. Die sogenannten fratres minores - die minderen Brüder. Sie zogen als Wanderprediger umher und erbettelten ihr täglich Brot.
Nach der Regel des hl. Franziskus entstand eine Massenbewegung, die wegen der praktizierten einfachen und von der herkömmlichen Hierarchie bewusst abweichenden Lebensweise der Brüder und ihres volkstümlichen Auftretens vor allem in den Städten rasch Anklang fand. Franziskus ist bekannt durch seine Tierliebe und er ist auch der Begründer des Krippenkultes. In der Minoritenkirche gibt es immer die größte und schönste Krippe.

hlklara.jpg Schon 100 Jahre später gab es Auseinandersetzungen um die mehr oder weniger strenge Einhaltung des Armutsgelübdes. Der Orden teilte sich in einen strengen Zweig - Franziskaner genannt und in einen gemilderten Zweig - die Minoriten genannt. Bis um 1800 gab es 4000 Franziskanerklöster in Europa.

Die hl. Klara, eine Schülerin des hl. Franz gründete einen franziskanischen Frauenorden (Klarissen). Auch die Kapuziner leben nach den Regeln des Franziskus, wurden aber erst 1525 gegründet. In Wien berühmt durch die Kaisergruft.


Justiz und Bibel

Erst um 1800 wurde auf den Platz vor der Kirche der Mosesbrunnen übertragen (Bild:Salomon Kleiner, 1725).
Bei einem Vergehen oder Verbrechen bestimmte u.a. das Alter des Angeklagten die Höhe des Strafausmaßes. Kinder bis 7 Jahre waren strafunmündig, danach unterzog man sie der Prüfung der Kindesreife: man legte ihnen einen Apfel und eine Münze vor. Wonach das Kind griff entschied über sein Strafausmaß.
Das Vorbild für dieses Rechtsurteil gibt eine Geschichte aus der Bibel: Moses greift nach der Krone des Pharao. Soll er bestraft werden? Man stellt ihn auf die Probe: Es werden ihm glühende Kohlen vorgehalten, und auch danach greift er, steckt sie sogar in seinen Mund und verbrennt sich dabei. Fazit: er wird nicht bestraft, er ist noch ein "dummes" Kind.

Einen anderen Ursprung hat wiederum die Feuerprobe: Da mussten Angeklagte ihre Hände bis zu den Ellbogen in siedendes Wasser oder Öl halten, oder über Kohlen laufen. Wurde vornehmlich bei Frauen angewandt. Nur bei Unversehrtheit wurde man freigesprochen. Ursprung: z.B. der hl. Thomas, der in Indien missioniert hat, steht bei seinem Martyrium unverletzt und offensichtlich ohne Schmerzen auf glühendem Blech.


Tod im Spätmittelalter

Leichen, Gerichtete am Galgen, sterbende Bettler gehörten zum Alltagsbild im Mittelalter. Im Spätmittelalter schüchterte die Kirche die Menschen systematisch ein und machte ihnen Angst vor dem Jenseits, vor den Schrecken der Hölle und des Fegefeuers. Hauptsächlich wollte die Kirche die Gläubigen dazu bewegen, Geld für Ablässe und fromme Stiftungen zugunsten der Kirche auszugeben, um sich so das Seelenheil zu erkaufen. Der Gott der spätmittelalterlichen Kirche war kein gnädiger, sondern ein rächender und strafender Gott, der nur mittels Geld zugunsten seiner irdischen Stellvertreter beschwichtigt werden konnte.
Durch die Pest wurde im 14. Jh. wurde die Todesvorstellung noch schrecklicher. In der Kunst hielt der Totentanz seinen Einzug, welcher den Freuden des Lebens stets den Knochenmann als Mahner für die Vergänglichkeit alles Irdischen zur Seite stellte.


Seelenmessen

Wer sein Ende nahen fühlte, wer sich auf eine große Reise machte, setzte sein Testament auf. In denen wurden oft Stiftungen für Seelenmessen aufgenommen.
Für uns mag dieses Erkaufen des Seelenheiles heute grob-materialistisch erscheinen, für den mittelalterlichen Bürger war es eine Selbstverständlichkeit.
Der Reiche musste seinen Reichtum für den Weg ins Paradies einsetzen, dem Armen wurden die Leiden in der irdischen Welt im Himmel vergütet.
Der Reiche hatte stets das Wort Christi im Sinn, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als ein Reicher in den Himmel komme, und dem versuchte er zu begegnen, indem er in der Stunde des Todes seinen Reichtum teilte oder der Kirche vermachte, die ihm im Austausch dagegen Fürsprache im Jenseits versprach. Bereits im Mittelalter wurden warnende Stimmen gegen diesen Ablasshandel laut, die sich aber erst im Zuge der Reformation wirkliches Gehör verschaffen konnten.


Bettler

Bettler.jpg Schätzungen zufolge waren 80% der Bevölkerung den Armen zuzurechnen, die von irgendeiner Form der Bettelei oder wohltätiger Unterstützung leben mussten. Nun ist es aber so, dass die Armen kaum schriftliche Zeugnisse ihres Lebens hinterlassen haben, sodass sie für uns heute nur schwer fassbar sind.
Wir hören von ihnen höchstens in den Vermächtnissen der Reichen, die ihnen Stiftungen und Legate aussetzen, um sich eine gute Aufnahme im Jenseits zu sichern. Die Armen erfüllten in der mittelalterlichen Gesellschaft dadurch eine wichtige soziale Funktion, indem sie den Reichen erlaubten, sich durch Almosen auf ihre Kosten in das Himmelreich einzukaufen.

Bis an des Ende des MA gab es von seiten der Stadtverwaltung keine Versuche, das Problem der Armut in den Griff zu bekommen. Es gehörte zum guten Ton, die Armen zu verköstigen und ihnen etwas zu vererben.
Die einzigen Stätten, die sich regelmäßig um die Armen kümmerten, waren Klöster und Krankenhäuser, die dafür einen Teil ihrer Einkünfte aufzuwenden hatten. Noch heute gibt es eine Armenauspeisung an der Pforte (kleines Fensterchen im Kreuzgang) im Franziskanerkloster.

Im Spätmittelalter nahm das Bettlerwesen so überhand, dass sich der Magistrat gezwungen sah, eine Bettlerverordnung zu erlassen. Es gab Bettler die ihre Almosen direkt vom Magistrat bezogen (erste Notstandsunterstützung!) Um in den Genuss der Almosen zu kommen, mussten sie nachweislich die Gebete kennen und einmal jährlich beichten gehen, andere Bettler wurden bestimmten Häuserzeilen zugeordnet, und damit sie sich von den fahrenden Bettlern unterschieden, mussten sie ein gelbes Halstuch tragen.


Singerstraße


Grillparzer - Umberto Eco

An der Ecke Grünangergasse/Singerstraße (Apotheke) hängt eine Gedenktafel, die erzählt, dass Grillparzer hier den Bruderzwist in Habsburg (ist nicht falsch geschrieben!!) entstehen hat lassen. Ein anderes berühmtes Werk von ihm heißt König Ottokars Glück und Ende. Aber nicht nur Grillparzer hat sich mit dem Mittelalter beschäftigt. Umberto Eco war es, der mit seinem Buch "Im Namen der Rose" den letzten Mittelalterboom heraufgerufen hat.


Apothekerviertel

Vom ersten Apothekerviertel um St. Stephan hören wir um 1320 (insgesamt 11). Und auch von Beschwerden über hohe Taxen....
Apotheker des Mittelalters stellten Pillen aus Pflanzensäften und Honig her, sowie Salben, Öle, Umschläge, Zäpfchen. Aber auch Schreibflüssigkeiten. Die Herstellung war sehr zeitaufwendig. Tinte stellte man aus Lampenruß oder aus den Galläpfeln der Eichengallwespe her. Farben gewann man aus zerstoßenen Mineralien und Metallen. Im späten Mittelalter konnten die Künstler die Zutaten bei einem Apotheker kaufen.

Die Apotheker waren die ersten und einzigen, die ursprünglich mit Zucker handeln durften. Wieso? Weil sie mit Zucker ihre bitteren Pillen versüßt hatten. Bis weit ins Mittelalter süßte man in Europa nur mit Honig. Auch später war weißer Zucker eine Kostbarkeit. Man musste ihn aus Asien einführen - meist in Form von Zuckerhüten. Grieß- und Staubzucker, manchmal aromatisiert mit Gewürzen oder Blüten, waren höchster Luxus. Es gab auch braunen Zucker und Sirup aus Sizilien.


Feuerhaken

In der Durchfahrt gegenüber dem Apothekeneingang sind noch die Feuerhaken zu sehen, durch die eine Stange hindurchgeschoben war, auf der die Löschkübeln hingen.
Brände brachen oft aus, aber nicht immer in einer Bäckerei - 1488 haben z.B. Alchimisten gezündelt (Bild: "Alchimistenküche" - Labor des Mittelalters) - 100 Häuser sind abgebrannt. Ein Problem waren die Bäche, die zwar da waren, aber nicht genug Löschwassser führten, so musste man sich von den Brunnen das Löschwasser holen. Wenn einmal ein Brand ausgebrochen war, war mindestens 1/3 der Stadt verloren zu nennen. Oft war die Stadt so hart getroffen, dass z.B. König Ottokar der Stadt für 5 Jahre Maut und Steuer erließ. Zwischen 1300 und 1500 hören wir von 25 Stadtbränden.

Gleichzeitig mit dem Steinbau setzt auch die Ziegeleindeckung der Dächer ein (dafür gab es Steuerbegünstigungen). Vorher waren es Schindel, Schilf, Stroh. Die Stadt selbst, die erst 1449 für ihr Rathaus ein Ziegeldach anfertigen ließ, gab dabei nicht selten ein schlechtes Beispiel. Den Getreidespeicher am Neuen Markt ließ sie nach einem Brand wieder mit 18 800 Holzschindeln decken. Den Torturm bei St. Niklas (Landstraße) ließ sie mit Schindeln decken, diese aber rot - zur Vortäuschung einer Ziegeldeckung (Bild)- streichen.


Brandbekämpfung

Den Ziegeldächern folgen die Rauchfänge ab 1350. Ab 1400 werden Feuermauern und Zinnen gebaut. Man setzte Feuerwächter ein, die die Häuser und ihre Brandstellen zweimal jährlich kontrollierten, ab 1450 mussten Wasserbottiche auf den Dächern bereitgestellt werden, und wir hören von einem Türmer auf St. Stephan.
Gelöscht hat man auch mit einer Kastenspritze (Bild). Die Hebelpumpe war von Hand betrieben; das kurze drehbare Rohr bot zwar flexible Einsatzmöglichkeiten, aufgrund des schwachen Wasserdrucks war die Wirkung des Geräts allerdings gering.


Grünangergasse


Brot

In der Grünangergasse 8 ist über dem Portal ein altes Hauszeichen mit Wiener Backformen.
Das Brot selbst galt als Hauptnahrungsmittel und wurde reichlich verzehrt (jeden Tag pro Person bis zu 1 kg!).

Zum Brotbacken verwendete man im Mittelalter hauptsächlich Roggen, für den Brei besonders Gerste oder Hafer. Der Buchweizen, ein Knöterichgewächs, das man heute wieder in Reformkostläden kaufen kann, wurde erst im 14. Jh. durch die Mongolen als "Getreidepflanze" eingeführt. Weizenbrot galt geradezu als Brot der Reichen, die auf seinen Genuss nicht verzichten wollten. Nur an Feiertagen gab es in allen Schichten verschiedene Teigangebote.

Große Roggenbrotscheiben dienten den Reichen im allgemeinen nur als Teller, auf die sie ihr saftiges Fleisch legten. Nach der Mahlzeit gaben sie die eingefetteten Brotscheiben den Armen oder warfen sie den Tieren vor. Und je ärmer man war, um so größer war der Brotanteil in der täglichen Ernährung.


Bäuerliche Innovationen

Man hat die bäuerliche Innovation ab dem 11. Jh. nicht ganz zu Unrecht eine agrarische Revolution genannt. Mehr und mehr setzte sich die konsequente Dreifelderwirtschaft durch: Wintergetreide, Sommerkorn., Brache (als Weideland). Und ohne bestimmte technische ,Erfindungen" wäre der intensivere Ackerbau nicht möglich gewesen.

Die wichtigste Innovation war der Schollenpflug, der erstmals schon im 6. Jh. nachgewiesen ist, sich aber jetzt erst zunehmend durchsetzte. Er lief auf Rädern, und er war ausgestattet mit asymmetrischer Pflugschar, die den Boden nicht mehr nur ritzte, sondern ihn umwälzte.

Zusätzlich kam die Egge in Gebrauch, mit der sich der umgebrochene Boden zerkleinern und glätten ließ.

Die Ernte erfolgte nicht mehr bloß mit der Sichel, sondern manchmal mit der Sense, und das eingefahrene Getreide wurde nicht mehr mittels Füßen oder Tierhufen gedroschen, sondern mit dem Dreschflegel.


Energieerzeugung im Mittelalter

Schon die Römer benutzten wasserbetriebene Getreidemühlen. Die Wassermühle blieb auch im Mittelalter eine der wichtigsten technischen Errungenschaften. Damals begann man in Europa auch Windmühlen als Getreidemühlen einzusetzen. Beim unterschlächtigen Mühlrad fließt das Wasser unter dem Rad durch. Beim oberschlächtigen Zellenrad fließt es über das Rad, wobei zusätzlich zur Strömung das Gewicht des Wassers ausgenutzt wird.
Im Mittelalter trieben Wasserräder auch Walkmaschinen (die Walker verfilzten durch Stampfen und Pressen die Stoffe) oder die Belüftung von Hochöfen an, später auch die ersten Industriemaschinen.


Bäuerliche Abhängigkeit

In den meisten Gemeinden gab es nur eine Wassermühle, und die gehörte dem Gutsherrn. So mussten die Bauern ihr Getreide zum Mahlen zur Mühle ihres Herrn bringen. Dieser behielt als Gegenleistung einen Teil des Getreides ein. Mancherorts mussten die Bauern sogar ihr Brot im Ofen des Gutherrn backen oder den Wein in seiner Presse keltern - und entsprechend dafür bezahlen.

Im Innenhof Heumühlgasse 9 steht die Heumühle, ein gotisches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, wahrscheinlich das älteste erhaltene profane Bauwerk von Wien. Die Mühle war bis 1850 in Betrieb und wurde vom Mühlbach, der vom Wienfluss abgeleitet wurde und eine Reihe von Mühlen mit Wasserkraft versorgte, angetrieben.


Berufsspezialisierungen

Die Weiterverarbeitung des Korns zu Mehl, bisher Arbeit der Bauersfrau, entwickelte sich zu einer Spezialtätigkeit, der sich ein dann eigener Berufsstand widmete, unter Zuhilfenahme der Wasserräder. Der Müller wurde zum ersten spezialisierten Handwerker im ländlichen Raum neben dem Schmied (Bild). Man darf annehmen, dass dergleichen Neuerungen in aller Regel von den Klöstern ausgingen, denn dort gab es schon früh die spezialisierten Handwerker.


Kleiner Blutgassenhof


Gemüse - Gewürze

Beim Durchspazieren trifft man hier auf viele Kellertore.
In den Kellern wurde nicht nur die Handelsware Wein gelagert, sondern auch Gemüse (außerhalb der Stadt in eigenen Erdgruben). Gemüse gab es wenig, und wenn, dann nur in der Saison. Der mittelalterliche Mensch ernährte sich also hauptsächlich von Brot, Wein und Fleisch.

Beliebt war vor allem Zwiebel, nicht nur weil er Geschmacksträger ist, sondern auch weil seine Wirkung potenzfördernd galt. Sonst aß man Wildgemüse in Breiform wie Sauerampfer und Löwenzahn. Tee, Kaffee, Erdäpfel, Kukuruz, Paradeiser, Gurken sowie eine Vielzahl an Gemüsen waren unbekannt, ebenso wie all jene Gewürze, die aus der Neuen Welt stammten.

Und gewürzt wurde im Mittelalter so stark, dass oft der Eigengeschmack der Speisen überdeckt wurde - auch ein Grund für den hohen Weinkonsum, bzw. das Salz (eingelegte Heringe). Und mit dem Gewürzhandel wurden manche Händler sehr reich: "Reich wie ein Pfeffersack", was auch auf den hohen Wert der Gewürze hinweist.


Wasserzisternen im Keller

In den Kellern wurde aber auch in Zisternen Wasser gesammelt, die durch steinerne Rinnen von der Oberfläche aus gefüllt wurden.

Die Dachrinnen waren eine Erfindung des 13. Jh. und ermöglichten es, das wichtige, weil "weiche" Regenwasser aufzufangen und abzuleiten. In Wien erfahren wir erstmals 1335 von Dachrinnen im Zusammenhang mit Streitigkeiten wegen der Ableitung des Regenwassers, denn das Recht, Wasser aus den Dachrinnen zu nutzen, konnte auch verkauft werden. So bezahlte die Stadt Wien im Jahre 1455 an den Verweser des Bürgerspitals 20 Pfund Pfennige für das Recht, auf dem neuen Mehlspeicher ein Ziegeldach und eine Dachrinne anbringen zu dürfen.

Blutgasse


Gestank und Smog

Die Blutgasse führte früher den Namen Kotgässl.

Die mittelalterlichen Toiletten Wiens waren vorwiegend in den Innenhöfen der Häuser angelegte Klogruben. Man grub meist zwei bis zu 8 m tiefe Gruben nebeneinander aus und überdeckte sie mit einem Querbalken oder einem Toilettensitz. War eine Grube voll, konnte man sie dekompostieren und benutzte inzwischen die andere.

Ab dem 13. Jh. umgab man den Toilettensitz mit geschlossenen Wänden. Damit war ein kleines Haus entstanden, das die Wiener Mundart als Häusl bezeichnet(e).

Eine andere Variante war der Toilettenerker, durch den die Exkremente direkt auf die Straße, in den Garten oder in den Hof fielen, oder Abortanlagen, bei denen der Toilettensitz durch eine Röhre mit einem unterirdischen Kasten verbunden war. Da der Weg zu diesen Toiletten oft weit war, besonders nachts, gehörte der Nachttopf zum unverzichtbaren Inventar des Schlafzimmers.

Toilettenkästen wurden lediglich einmal pro Jahr von unehrlichen Personen geleert. Vorgesehen war, die Exkremente in Flüssen oder Bächen zu entsorgen. Es gab aber immer wieder Beschwerden, dass der Kot ganz einfach auf den Straßen hinterlassen werde, um den Transport zum nächsten Bach zu sparen.

In mittelalterlichen Toiletten wurden unterschiedliche Säuberungsmittel gefunden. Heu, Blätter, Mooszöpfe bis zu auswaschbaren Leinentüchern. Die vielen kleinen Tonkrüge, die man in den Klogruben entdeckte, deuten darauf hin, dass manche die moslemische Methode vorgezogen haben. Oder es handelt sich um Urinale, in denen man Urin sammelte, welches man zum Beizen verwendete.


Morast

Die Exkremente vermischten sich auf der Straße nicht nur mit dem Straßenschmutz, sondern auch mit den Ausscheidungen vieler Tiere: Pferde, Schweine (ernährten sich von Exkrementen und trugen so zur Verbreitung von Parasiten bei), Ziegen, Hühner, Hunde...
Dazu kam, dass es keine öffentliche Toiletten gab, und es galt im Mittelalter durchaus nicht als unstatthaft, seine Notdurft in aller Öffentlichkeit zu verrichten. Dazu kamen noch die Gewerbeabfälle und der Hausabfall. Manchmal wurde der Mist aus der Stadt transportiert und auf der Freyung gesammelt, und anschließend vor den Mauern abgeladen.

Smog gab es auch im Mittelalter schon: durch das Viertel der Töpfer, wo eine große Anzahl von Töpferöfen im Norden der Stadt gelegen war. Schmiedeessen, Backstuben, Herde sorgten für dichten Rauch.


keine gepflasterten Straßen

In Paris wurden die Straßen bereits ab 1200 gepflastert, in Wien kamen lediglich die Hauptdurchzugsstraßen in den Genuss dieser Maßnahme, und auch nicht vor 1300. Steckenbleiben im Morast galt als Entschuldigung für Zuspätkommen, so wie heute der Verkehrsstau.

Um die teuren Schuhe vor dem Dreck und Schlamm der mittelalterlichen Straßen zu schützen, gab es zusätzlich noch die Trippen, aus Holz gefertigte Unterschuhe, die unter ihrer Sohle häufig zwei absatzartige Verstärkungen aufwiesen. Die Trippen (Bild), die unter den eigentlichen Schuhen getragen wurden, konnten durch Lederriemen am Fuß befestigt werden. Trippen ließen bei ihren Trägern oder Trägerinnen jedoch nur einen trippelnden Gang - wie bei den Chinesinnen bis zu Beginn des 20. Jhs. oder traditionsbewussten Japanerinnen - zu.


Schuhmode im Mittelalter

Bei den Adligen dagegen wurde im 12. Jh. eine neue Schuhform "hochmodern": der Schnabelschuh. Angeblich soll ein französischer Graf diese Schuhform erfunden haben, um seine deformierten Füße in ihnen verbergen zu können.
Eine absolut neue Erfindung war der Schnabelschuh jedoch nicht. Diese Schuhform wurde schon seit langem im Orient getragen. Wahrscheinlich gelangte er mit anderen morgenländischen Kulturgütern durch die Kreuzzüge nach Europa.


neu: linke und rechte Schuhform

Neu an den "abendländischen" Schnabelschuhen war nur, dass zum erstenmal ein rechter und ein linker Schuh unterschieden werden konnte. Diese Unterscheidung gab es bei den mittelalterlichen Schuhen bisher noch nicht! Als besonders "schick" hielt man ein unterschiedlich gefärbtes Paar.

Zunächst war der Schnabelschuh nur dem Adel vorbehalten, aber schon bald wurde er auch von Patriziern, von Geistlichen, sogar von Handwerkern, Knechten und Bauern getragen. Gefertigt wurden sie in den Materialien Leder oder Samt. Die Spitzen wurden mit den Zubereitungsabfällen von Flachs, Hanf usw., ausgestopft. Kostbare Schnabelschuhe wurden zusätzlich noch mit Perlen oder Goldstücken verziert.
Ja das Gehen mit Schnabelschuhen hatte so seine Tücken! Auch die Zivilbevölkerung konnte davon ein Lied singen! Um beim etwas schnelleren Vorwärtsschreiten nicht ständig über die eigenen Füße zu fallen, halfen sich pfiffige Leute, indem sie die Spitzen ihrer Schuhe mittels eines Kettchens am Knie "hochbanden".


"Wüst an Spitz?"

Selbst die Ritter konnten auf ihre eisernen Schnabelschuhe nicht verzichten. Die eisernen Spitzen, die erst nach dem Aufsitzen zu Pferde angesteckt wurden, mussten beim Gehen oder Kämpfen jedoch entfernt werden, da man mit ihnen kaum vorwärts kam, geschweige denn fliehen konnte.


Fähnrichshof


Stadtentwicklung

Unter den letzten Babenbergern wurde Wien planmäßig ausgebaut. Dabei wurde für eine Stadt, die vom Handel lebt, typisch - besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Plätze gelegt, der Hohe Markt ist das erste Mal 1233 urkundlich gesichert, der Neue Markt 1234, der Judenplatz 1294. Die Rechtecksplätze bildeten neue Siedlungszentren. Um 1229 waren zwar große Teile der Stadt noch immer unbebaut, das Grundstraßennetz aber bereits festgelegt, das sich bis zur heutigen Zeit nicht mehr wesentlich veränderte. Bild: Wien um 900


Viertelmeister

Bereits sehr früh wurde die Stadt in 4 Viertel unterteilt (Stubenviertel, Kärntnerviertel, Widmerviertel, Schottenviertel) und jedem Viertel, nach Berufsgruppen getrennt, eine eigene Wachmannschaft zugeteilt, die sich auf bestimmten Plätzen zu sammeln hatte. In diesem Hof hier trafen sich die Fähnriche, daher der Name Fähnrichshof. Der Rat ernannte einen Viertelmeister der die jeweilige Truppe anführte. Bild: Wien um 1000


Bürgerpflichten: mit der Stadt "leiden"

Jeder Bürger der Stadt hatte Wachdienst, Sicherheitsdienst und Kriegsdienst zu leisten. Sie mussten "mit der Stadt leiden" - im Gegensatz zu durchziehenden Kaufleuten z.B. Ab 1500 wurden diese Pflichten gegen Geld an andere Personen abgetreten. Die Streitmacht, die Wien auf die Beine stellen konnte, war nicht besonders groß (ca. 1000-2000 Mann). 1458, zur Zeit der Bedrohung durch die Hussiten, rückten 5184 Mann und 300 Reiter aus. Davon dürfte aber die größte Anzahl aus Söldnern bestanden haben. 1529 hat Wien ca. 20 000 Einwohner. Bild: Wien um 1200


Erbbürger waren lehensfähig

Im heutigen Sprachgebrauch ist das Bürgertum ein Begriff für eine bestimmte soziale Schichte, die gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen hat. Im Mittelalter war das anders. Die Bürger Wiens waren Erbbürger - die im Gegensatz zu den Händlern und Handwerkern auch ritterbürtig waren. Sie konnten also auch Lehen empfangen und vom Ertrag ihrer Liegenschaften, Grundstücke und Weingärten leben. Sie waren städtische Großgrundbesitzer, die von der Grundrente lebten und ein rittermäßiges Leben führten.


Bürger in den Ritterstand erhoben

Sie lebten in einem durchaus dem Adel vergleichbaren Wohlstand. Sie waren Patrizier und fühlten sich als Stadtadel. Sie zogen zu Pferd in den Krieg und verschrieben sich ganz der ritterlich-höfischen Kultur (1400). Sie lebten in großen Stadthäusern, in denen es eigene Hauskapellen gab und die von mächtigen und wehrhaften Türmen überragt wurden.
Im 13. Jh. gelang es einer kleinen Zahl von Familien, sich durch die Aufnahme in den Ritterstand als Oberschichte von den übrigen Erbbürgern abzusondern. Die bedeutendsten dieser städtischen Rittergeschlechter waren die Greifen, Haimonen, Breitenfelder, die vom Kahlenberg, Gottesfelder, Harmarkter, Zeleub und Huetstocker. Bild: Wien um 1300


Bürger werden mit Weinhandel reich

Ab dem 13. Jh. investierten die Erbbürger ihr Geld nicht mehr allein in Grund- Boden- und Hausbesitz, sondern setzten es für Handelsunternehmen ein, die zwar mit wesentlich größeren Risiken behaftet waren, aber auch gewaltige Gewinne versprachen. Begonnen hat es sicher mit dem Weinhandel. Wir wissen von großen, in Wien und Umgebung erzeugten Weinmengen, die sicher nicht zur Gänze in der Stadt konsumiert worden sein können. Man musste also exportieren und mit der Zeit wurde dieses Exportgeschäft auch auf andere Bereiche, besonders natürlich auf Luxusgüter, ausgedehnt. Wien hatte durch seine geographische Lage hier starke Vorteile. Die Donau herab kamen Güter des Niederrheins und der Niederlande und von Süden führte die Straße von Venedig an die Donau. Gewürze, Stoffe aus Italien wurden nach ganz Europa verteilt.


Stapelrecht

Kein fremder Kaufmann konnte Wien umgehen und musste hier seine Waren an Wiener Händler verkaufen, die dann von den Wiener Großhändlern, und das waren sicher die Erbbürger, weiter in den Osten und Norden verkauft wurden.


Deutschordenskirche

Wieder zurück in der Singerstraße sieht man schon von weitem die hohen, gotischen Spitzbogenfenster der Deutschordenskirche, die um 1400 erbaut worden ist.



Deutscher Ritterorden

Der Deutsche Ritterorden wurde während des dritten Kreuzzuges im Jahre 1191 von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck und deutschen Rittern in Jerusalem gegründet. Sie wählten zur Kennzeichnung ihres Ordens genau die umgekehrten Farben der Johanniter: weißer Mantel und schwarzes Kreuz.
In Wien ist der Deutsche Orden seit 1222 nachweisbar. Anfänglich übernahmen die Ritter des Deutschen Ordens nicht nur die Ordensregeln der Johanniter, sondern kümmerten sich auch wie diese besonders um Kranke und Verwundete. Und mehr und mehr wurde der Deutsche Ritterorden militärisch tätig. Das Hoch- und Deutschmeisterregiment besteht allerdings nurmehr in musikalischer Form.


Schatzkammer des Deutschen Ordens

Ab 1526, als der Deutschmeister für immer als Hochmeister anerkannt wurde, führte der Oberste des Gesamtordens den Titel Hoch- und Deutschmeister.
Diese Funktion nahm meistens ein Habsburger ein, daher gehört die Schatzkammer des Deutschen Ordens nach der Kaiserlichen Schatzkammer zur bedeutendsten Österreichs. Ein schönes mittelalterliches Stück beherbergt sie: eine Natternzunge, die für die Giftprüfung der Speisen verwendet wurde.


Medizin im Mittelalter

Durch die Kreuzzüge entwickelte sich die Krankenpflege weiter (die Araber hatten ganz hervorragende Ärzte), vor allem kamen neue Betäubungsmittel, wie das Opium, nach Europa.

Im Frühmittelalter hieß es noch: Gott allein heilt. Erst Benedikt von Nursia, der um 500 n. Chr. das erste Benediktinerkloster gegründet hatte, legte in seiner Regel fest, dass die Sorge für Arme, Schwache und Kranke eine christliche Verpflichtung sei.

Lag die Krankenpflege anfangs in Händen der Priesterärzte, wurde es ihnen nach dem Konzil von 1100 verboten, chirurgische Eingriffe zu machen. Mehr und mehr gab es weltliche Ärzte.


Medicus und Bader

Der Reiche ging zum studierten Medicus, der Arme zum Bader, der im Unterschied zu den gelehrten Ärzten empirisch arbeitete. Am häufigsten ließ er seine Patienten zur Ader, was schon die Griechen kannten. Auch im Kloster war der "Rasierer" fürs Aderlassen zuständig: der Tonsor machte die Aderlässe.


Aderlassen und Blutegel

Kinder bis 6 Jahre und alte Menschen ließ man nicht zur Ader, ihnen setzte man Blutegel an. Das war üblich bis zu Kaiser Franz Joseph, dem man bis zu 6 Blutegel am Hinterkopf ansetzte, um sein Kopfweh zu lindern - der Überdruck sollte weggenommen werden.


Augenkrankheiten und Gicht verbreitet

Einen großen Teil nahmen die Augenkrankheiten ein, gefolgt von den verschiedensten Hauterkrankungen und Frauenleiden. Die Gicht war aufgrund der Ernährungsumstände und ungenügender Beheizung der Räumlichkeiten weit verbreitet.


Lepra

lepra.jpg - 116138 Bytes Stand jemand unter Verdacht, Lepra zu haben, so konnte er vor eine medizinische Kommission gerufen werden, die über sein Schicksal zu entscheiden hatte. Wurde eine Diagnose auf Lepra gestellt, wurde von dieser Stunde an der Kranke wie ein Toter behandelt. Er verlor, war er vorher auch noch so reich und angesehen, seine bürgerlichen Rechte, sein Hab und Gut wurde wie ein Erbe an seine Nachkommen verteilt, er bekam ein Totenhemd und eine Totenmesse wurde gelesen. Der Kranke wurde in das Siechenhaus auf der Wieden gebracht und verblieb dort bis zu seinem Ende. Ein zweites Siechenhaus stand an der Landstraße und war dem 1048 gegründeten Orden des heiligen Lazarus, dessen Aufgabe die Pflege der Aussätzigen war, unterstellt (daher unser heutiges Wort Lazarett).

Verließen die Aussätzigen für Bettelgänge das Siechenhaus, hatten sie auf der Kleidung ein großes rotes Kreuz in einem roten Kreis zu tragen und die Gesunden durch ein Horn oder eine Holzklapper zu warnen. Heilmittel kannte man keine.


Kleiner Deutschordenshof


Musik im Mittelalter

In der Toreinfahrt erinnert eine Gedenktafel an Mozart, vom Hof aus sieht man in das alte Musikzimmer des Deutschen Ordens, der mit Groteskenmalerei von 1680 ausgestattet ist.


Gregorianische Choräle

Neumen 3.jpg - 122847 Bytes Das Mittelalter war die große Zeit geistlicher Musik. Sicherlich hatten die Menschen auch Liebes- und Trinklieder, Kampf- und Wiegenlieder. Diese Musik wurde aber nicht aufgeschrieben. Die schriftliche Überlieferung beschert uns hauptsächlich Lieder der Verherrlichung Gottes, von Mönchen in Klöstern geschrieben.

Als die Kirche im späten Mittelalter das Land einigen will, soll dies auch mittels der Musik geschehen. Der Aufbau der Messen und die Abfolge der Gebete, Lesungen und Gesänge werden bereits von Papst Gregor I im 6. Jh. festgelegt. Im späten Mittelalter greift man auf diese Sammlung von Gesängen für die Gottesdienstgestaltung zurück. Später nennt man diese Liedersammlung "Gregorianische Gesänge".

Um 900 entwickelte sich die Neumennotenschrift. Aus Quadraten. Die Handschriften mussten eine beachtliche Größe haben, damit der gesamte Chor darin mitlesen konnte. Im 10. Jh. wird ein System aus farbigen Linien entwickelt, das als Hilfestellung beim Singen der einzelnen Silben gedacht ist.


Großer Deutschordenshof

Hier war der Wirtschaftshof des Deutschen Ordens, der von Pferdeställen umgeben war. Die heutige Gestaltung stammt von 1785. Im Innenhof befindet sich der Schanigarten von Haas & Haas. Ein Tee-Spezialitätengeschäft. Im Mittelalter kannte man Tee noch nicht, dafür war Bier das Volksgetränk Nr. 1. Das einfache Volk trank nicht aus edlen Trinkhörnern, wie hier auf dem Bild eines zu sehen ist, sondern aus Bechern, die aus Holz oder Leder gefertigt waren.


Bierproduktion

Bis zum 8. Jh. stellte es der Verbraucher noch selbst her, dann aber wurde das Braurecht vorzugsweise den Kirchen und Klöstern verliehen.


Haltbarkeit des Bieres

Um die Haltbarkeit der Biere zu verlängern, fügte man Hopfen oder Gagel hinzu. Gagelbier, das hauptsächlich im norddeutschen Raum getrunken wurde, kann zum Erblinden und zum Tod führen. Trotz dieser gefährlichen Nebenwirkungen wurde seine Herstellung erst im 18. Jh. verboten.


Gewürzbiere

Gegen Ende des 13. Jhs. wurde das Bier gewerbsmäßig produziert. Und bis zum Jahre 1516 herrschte ein reichliches Angebot an unterschiedlichsten Biersorten. Je nachdem, welches Gewürz dominierte, gab es Wacholderbier, Lavendelbier, Ingwerbier etc. Der "Würzphantasie" waren keine Grenzen gesetzt worden.


Reinheitsgebot um 1500

Im Jahre 1516 war mit dieser Biervielfalt Schluss. Denn der Herzog Wilhelm IV. von Bayern erließ ein Reinheitsgebot, das in Deutschland noch heute gültig ist. Bier durfte danach ab sofort nur noch aus den reinen Naturprodukten Hopfen, Malz und Wasser gebraut werden.


Tischsitten im Mittelalter

Die Tischsitten des Mittelalters waren nicht so schlecht, denn da mit den Fingern gegessen wurde, bedurfte es einer gewissen Hygiene. Es wurde das öffentliche Händewaschen eingeführt, und es war verboten, sich ins Tischtuch zu schneuzen. Meistens war es dann die Kleidung, da die Servietten erst in der Renaissance wiederentdeckt wurden. Bild: Aquamanile - kostbares Gefäß zum Händewaschen


Besteck

Das älteste Besteck ist der Löffel, der einen kurzen Stiel hatte und den man mit der Faust hielt. Lange Löffelstiele sind erst seit dem Ende des 16. Jh. üblich, seit auch Suppen am Speiseplan stehen. Ursprünglich waren die Löffel ganz aus Holz, die Reichen hatten Silberlöffel mit Elfenbeingriffen, ab dem 15. Jh., im Spätmittelalter wurden Zinnlöffel üblich.

Das Messer gehörte zur Grundausstattung des Mannes. Der Löffel wurde ebenfalls ständig mitgetragen (auf dem Hut, am Gürtel). Für das Messer hatte jeder sein eigenes Futteral.

Die Gabel wurde erst im 11. Jh. in Italien eingeführt. Die Gabel wurde lange von der Kirche als Teufelswerkzeug verteufelt. Die Gabel wurde lange Zeit nördlich der Alpen wegen der Klebrigkeit derartiger Speisen, vornehmlich beim Verzehr von Obst oder Konfekt verwendet. Sie waren demzufolge auch nicht selten aus Edelmetall gefertigt. Die Gabel hatte ursprünglich nur zwei Zinken - für Fleisch; mit dem Aufkommen von mehr Gemüsespeisen ab dem 17. Jh. bekam die Gabel drei Zinken.


Stephansplatz


Schule bei St. Stephan

Die erste Schule in Wien wird erstmals 1237 erwähnt, "Schule bei St. Stephan". Sie stand zuerst unter kirchlicher Leitung, und ab 1296 unter der Aufsicht der Stadt Wien als "Bürgerschule" (GT Churhaus). Ab 1300 holte man Magister aus Paris, der damals berühmtesten Universität, als Rektoren. Auch später sollte der Rektor dieser Schule eine bevorzugte Stellung unter den Rektoren der Wiener Schulen einnehmen, dies auch deshalb, da diese Schule auch nach der Errichtung der Universität für lange Jahre die einzige Stelle blieb, in der in Wien Theologie gelehrt werden konnte.

Der ursprüngliche Standort dieser Schule ist nicht bekannt, doch könnte der Name der Schulerstraße vielleicht ein Hinweis auf die Lage sein. Später übersiedelte die Schule an die Stelle des heutigen Churhauses am Stephansplatz und befand sich hier bis 1740.
Es ist nicht bekannt, wie viele Schüler die Schule besuchten, aber es werden schon so viele gewesen sein, dass die Gründung einer eigenen Wiener Universität als notwenig erschien und so verwirklicht wurde.

Das Schuleintrittsalter war 7 Jahre (für die, die es sich leisten konnten). Die Schüler hatten die Verpflichtung, an allen Messen teilzuhaben und an allen Leichenbegängnissen mitzugehen.

Bild: Eine mittelalterliche Schulstube. Der Lehrer ist mit einer Rute "bewaffnet", die weißen Tauben und schwarzen Raben auf den Köpfen der Schüler sind Symbole und entsprechen in ihrer Bedeutung den "weißen" und "schwarzen" Schafen.


Stephansdom

Stephansfriedhof: Er umfasste fünf Gräberfelder (durch Wege getrennt), in deren Mitte der Dom aufragte. Vier Tore, die zur Nachtzeit geschlossen wurden, führten aus den angrenzenden Gassen auf den Friedhof.
Fürstenhügel: von hier aus pflegten die Landesfürsten zum Volk zu sprechen, diesem Brauch huldigte vor allem Albrecht VI. Palmbühel: hier wurde die Palmzweigweihe durchgeführt. Studentenbühel.

Friedrichsgiebel: Man sagt im allgemeinen, der Stephansdom wurde im Mittelalter begonnen und fertiggestellt - im Gegensatz zu anderen großen Kathedralen wie Köln oder Mailand, die erst im 19. Jh. vollendet wurden.
Mit gotischem Zierrat versehen wurde am Wiener Dom auf der Südseite allerdings nur der westlichste Wimperg, unter der Regentschaft Friedrich III - daher auch Friedrichsgiebel genannt. Die restlichen waren bis ins 19. Jh. nur mit Malerei versehen. Der Giebel bekrönt den Rhythmus der Doppelfenster des Schiffes und gliedert das hohe steile Dach, das alle 3 Schiffe umspannt


Bautechnik

Wimperge: Nichts an der Kirche ist überflüssig oder umsonst. Es gibt Dinge, die haben entweder eine symbolische oder statische Bedeutung. Wenn der Wind auf die riesige Dachfläche prallt, hat das einen enormen Druck. Um diesen Druck zu vermindern, zu brechen gibt es diese Wimperge (Windberge) die großen Zacken, die verhindern sollen, dass der Druck auf die große Dachfläche prallt.
Die Fialen, die filigranen Türmchen auf den Strebepfeilern haben ebenfalls statische Funktion, sie "beschweren" den Pfeiler, der den Gewölbeschub in sich aufnehmen muss.

Bild: Die Scheibtruhe, unentbehrliches Hilfsmittel auf jeder modernen Baustelle, kam erst im 15. Jh. in Gebrauch und entwickelte sich aus einer Art Tragbahre (siehe Bild unten), auf der man Lasten beförderte.


Arbeitsmittel

Für den Lastentransport in größere Höhen benötigte man Baukräne. Die einfachste Art war eine Rolle, über die ein Seil lief. Mit der Zeit kamen auch Kräne in Form von Galgen in Gebrauch.
Zu Beginn des Mittelalters verwendete man noch Körbe, die aber keine Sicherheit gegen das Herauskippen gewährten. Ab dem 13. Jh. wurde der Wolf verwendet (von oben Spitze eingeführt, spreizt sich auf Zug). Später verwendete man große Zangen, die sich auf Zug schlossen, und den Quader fest umfassten.


Reliquien - Heiltumstuhl

Vor dem Riesentor befand sich einst kein freier Platz. Parallel zur Westfassade stand eine Häuserzeile und der Heiltumstuhl.
Man errichtete 1483 einen Torbogen mit einem ausgedehnten Obergeschoss, von dem aus Reliquien am ersten Sonntag nach Ostern und zu hohen Feiertagen der versammelten Menge gezeigt werden konnten. Das dies auch Anlass zu bunten Volkstreiben war, sieht man auf dem Bild.
Reliquien zogen viele Gläubige an, die sich allein aus der Betrachtung dieser Objekte eine Vergebung ihrer Sünden oder Heilung von einer Krankheit erhofften. Mit den Spenden der Pilger wurde der Bau der Kathedrale unterstützt.
Man unterschied zwischen Primärreliquien ("echte") und Sekundärreliquien (Materialien, die mit den "echten" in Berühung gekommen waren, z.B. Stoffe, Knochen...). Beide hatten die gleich starke Wirkungskraft! Schon Rudolf IV, unter dem der Dom wichtige Erweiterungen erfahren hatte, war ein eifriger Sammler von Reliquien und unter ihm wurde auch der Kolomanistein in den Stephansdom übertragen.

Der Heiltumstuhl behinderte mit der Zeit den Verkehr und wurde wieder abgetragen.


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© Hedwig Abraham, Wien Juni 2002





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