seltener
Taufname - Kindheit
Rembrandt ist das neunte von 10 Kindern
und wächst in relativ gutem Wohlstand, mit zwei Knechten und einem
Dienstmädchen in der Familie, auf. Durch seinen seltenen Vornamen Rembrandt
kann er seine Bilder signieren und vor Verwechslungen sicher sein. Seine Eltern
gehören zum wohlhabenden Bürgertum. Als Müller werden sie als konvertierte Calvinisten
durch den Aufkauf von Korn in erntereichen Jahren, dessen Lagerung und späteren
teureren Verkauf in den Hungersnot, reich Nach dem Besuch der Lateinschule und der Leidener
Universität stirbt sein Vater, und Rembrandt zieht nach Amsterdam. Bild:
Selbstportrait
drei
Frauen und ein Sohn
Rembrandt
heiratet 1634 Saskia, eine Bürgermeistertochter aus der Provinz.
Von den 4 Kindern erreicht nur der jüngste Sohn Titus (geboren 1641), obwohl
auch krank, gebrechlich und schwächlich, das Erwachsenenalter, und auch er überlebt
seinen Vater nicht. Saskia stirbt 1642, nicht einmal 30-jährig, Titus
ist knapp 1 Jahr alt. Rembrandt geht keine zweite Ehe ein, da er damit den
gesamten Nachlass von Saskia verlieren würde. Die Kinderpflegerin Geertje,
eine Seemannswitwe, kommt ins Haus, 7 Jahre später verklagt sie Rembrandt
auf ein Heiratsversprechen und hat einen Ring als Beweisstück. Rembrandt
wird auf Unterhaltszahlungen verklagt, die er auch als Kostgeld zahlen muss, als
sie von der Familie in ein „Urlaubszuchthaus“ eingewiesen wird. Bild:
Sohn Titus
Nachdem
Rembrandt in finanzielle Schwierigkeiten gerät, stellt er die Zahlungen
ein, und sie wird entlassen. Er hatte sich einen aufwendigen Lebensstil
geleistet (gepolsterte Stühle und keine Gebrauchsgegenstände) und riskante,
unsolide Kapitalanlagen gemacht. Rembrandt geht in Konkurs, bezieht eine andere
Wohnung. Seine zweite Kinderfrau Hendrickje Stoffels gründet mit
dem Sohn Titus einen Gemäldehandel, und Rembrandt ist Angestellter - nur für
Essen, Trinken und Unterkunft und kann somit nicht gepfändet werden.Bild: Selbstportrait
Er stirbt am 4. Oktober 1669 und
hinterlässt nichts als seine Kleider
und Malerausrüstung. Er wurde 63 Jahre alt.
Selbstporträts
Rembrandt
schuf über 60 Selbstporträts. Besonders seine letzten zwei
Lebensjahrzehnte kann man so sehr gut verfolgen. Sein Haar wird schütter und
die Haut erschlafft. Sein Gesicht wird faltig und leicht aufgedunsen. Das Kunsthistorische Museum in Wien
besitzt drei Selbstporträts aus der späteren Schaffensperiode des Künstlers.
Es fehlen etwa seine religiösen Darstellungen, oder Historienbilder, wodurch
ein einseitiger Eindruck vom Oeuvre Rembrandts entstehen könnte. Seine
Selbstporträts dokumentieren nicht nur die äußeren Lebensumstände, sondern
auch seine künstlerische Entwicklung.
Seit der Mitte der 50er Jahre
erlebt er sich selbst, nachdem er den Höhepunkt seiner Karriere überschritten
hatte – als alter Mensch. Bild: Selbstporträt
Großes Selbstporträt
Rembrandt
beginnt das große Selbstporträt als seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten
begannen. Zu der Zeit verkehrt er viel mit kalvinistischen Pilgern, fühlt
sich sozial ausgeklammert und spiegelt hier ein Generalgefühl vom Leben
wieder. Dieses Selbstbildnis war Vorbild für das Lunettenbild im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums.
Anders
als in den frühen Bildnissen, auf denen er meist in prachtvollen Gewändern zu
sehen ist, trägt er hier einen einfachen Malerkittel, die Hände
selbstbewusst, ein wenig trotzig in die Hüften gestemmt. Die Daumen in den Gürtel
eingehakt, blickt er herausfordernd, auch fragend, aus dem Bild heraus.
Nur das Gesicht
wird durch den kräftig modellierenden Pinselstrich und den gezielten Einsatz
des Lichtes – Meister des
Hell-Dunkels – hervorgehoben. Die für die Frühzeit Rembrandts
charakteristische kühle Farbigkeit und der kleinteilige Pinselstrich sind
einer subtil abgestuften, nuancenreichen braunen Tonigkeit und einem breit-pastosen,
die Formen vereinheitlichenden Pinselduktus
gewichen, der Gewand, Hände und Hintergrund kaum mehr unterscheidet.
Bild: Großes Selbstporträt 1652, Kunsthistorisches Museum, Wien
Kleines
Selbstbildnis
Rembrandt
schuf dieses Werk im Jahr seines finanziellen Ruins, ein Jahr später muss
er sein Haus verlassen.
Die Augen blicken erschöpft,
tief bedrückt, die Mutlosigkeit spricht aus ihnen. Die Wirkung
der Gesichtszüge wird durch den knappen, nahen Bildausschnitt aufs äußerste
gesteigert. Das Licht ist sehr eng aufs Gesicht gerichtet, und es hebt
sich dadurch stärker vom Umraum ab. Die dramatische Verstärkung des Ausdrucks
durch gezieltes Einsetzen des Lichtes verwendet Rembrandt in seiner späteren
Schaffensperiode immer wieder zur physionomischen Farbigkeit. Auch der
Pinselduktus ist mit dem großen Selbstporträt vergleichbar.
Bild: Kleines Selbstbildnis 1657, Kunsthistorisches Museum, Wien
Prophetin Hanna
In
seiner Jugend hatte Rembrandt oft Greise gemalt, die, vom Leben gezeichnet, auf Gesicht
und Händen die Spuren des Lebens eingegraben hatten, unter den Lasten
und Beschwerden zunehmender Gebrechlichkeit litten und dennoch die Weisheit
und Würde des Alters ausstrahlen. Das Porträt seiner Mutter, die
Rembrandt mehrfach als Modell diente, entstand ein Jahr vor ihrem Tod, in
einer Zeit intensiver künstlerischer Entfaltung und raschem, gesellschaftlichem
Aufstieg. Rembrandt hatte eine riesige Requisitensammlung für sein Atelier
mit 104 Schülern.
Die halbfigurige, leicht gekrümmte
Gestalt der greisen Frau, die ihre Hände auf einen Krückstock stützt, ist in
schwere, kostbare Gewänder gehüllt. Der jüdische Gebetsmantel
charakterisiert sie als Prophetin Hanna aus dem Lukasevangelium (er
verwendete das Motiv des Gebetstuches schon 1636).
Die bräunlichen, rötlich-gelben
Farben und tonigen Abstufungen des Hell-Dunkels sind mit kleinteiligem,
fein-pastosem Pinselstrich aufgetragen, wie er für Rembrandts mittlere
Schaffensperiode charakteristisch ist. Das Bild war ursprünglich quadratisch,
wurde aber auf ein Oval beschnitten. Die Hände sind übermalt. Das Bild kam
durch Ankauf Maria Theresias in österreichischen Besitz, alle anderen
Exponate durch Franz I.
Bild: Prophetin Hanna 1639, Kunsthistorisches Museum, Wien
Titus van Rijn
Rembrandt
schuf etwa 10 Bilder von seinem Sohn. Hier vereint er Porträt- und
Genredarstellung. Der sitzende, laut lesende (damals Usus) Jüngling
blickt auf das Buch in seinen Händen. Durch die leicht geöffneten Lippen
wird der augenblickhafte Charakter, die Momenthaftigkeit der intimen Szene, der
Situation betont.
Räumlichkeit entsteht durch
die hohle und diagonal führende Rückenlehne. Die gezielte Lichtführung
modelliert Stirn (sie ist in feinen, zarten, hellen, glatten Pinselstrichen ausgeführt),
Schläfe, Nase, Hände und Manschetten (dickflüssige Farbe) – plastisch und
hebt sie gegen den im Schatten liegenden Oberkörper hervor. Dem Bild wird damit
noch ein zusätzlich poetischer Reiz verliehen.
Bild: Titus van Rijn 1656, Kunsthistorisches Museum, Wien
Die
Judenbraut
Im
Herbst 1885 besuchte Vincent van Gogh mit seinem Freund Anton Kerssmakers
das neu eröffnete Rijksmuseum. Als er die Judenbraut erblickte, blieb
er zurück und sagte später zu seinem zurückgekehrten Freund: „Glaubst
Du mir wohl, und das meine ich wirklich, dass ich zehn Jahre meines Lebens dafür gäbe, wenn ich dafür noch 14 Tage vor dem Gemälde sitzen bleiben dürfte, nur mit einem trockenen Stück Brot zu
essen.“
Ein
Teil dieser Faszination liegt zweifellos in der Tatsache, dass der
Entstehungsprozess – die Maltechnik – der Werke etwas Rätselhaftes
hat. Bei vielen Malern kann man leicht den Akt des Malens am Pinselstrich
verfolgen, Rembrandts späte Gemälde sind aber das Ergebnis unergründlicher
Prozesse. Bei der Judenbraut fällt der ungeheure Reichtum und die
Differenzierung der Farbbehandlung auf. Das Gemälde scheint sich selbst
gemalt zu haben, ein Ergebnis eines geologischen Prozesses zu sein. Eine der
eindruckvollsten Passagen bildet der Ärmel des Mannes, in dem sich die Farbe
in Klumpen und Schollen erhebt und das Licht reflektiert. Die
partiell grobe Farbstruktur hat jedoch auch eine wichtige Funktion für
die Raumwirkung von Rembrandts Gemälden.
Meister
des Hell/Dunkel
Rembrandt
verspürte nicht viel Lust und Neigung, die Universität zu besuchen, da seine
natürlichen Regungen allein auf die Mal- und Zeichenkunst gerichtet waren. So
kam er zu seinem ersten Lehrer Jacob Isaacz van Swanenburgh. Dass
dieser katholisch war, zeigt von der liberalen Einstellung der Eltern Rembrandts.
Swanenburgh malte phantastische Höllenszenen, die vor allem von
Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel d. Ä. beeinflusst waren. Hier
lernt Rembrandt das Spiel von Licht und Finsternis kennen, sowie die
Reaktionen der panischen, entsetzten, und resignierenden Verdammten malerisch zu
erfassen.
Seinen eigentlichen
Lehrmeister fand Rembrandt jedoch in dem Amsterdamer Historienmaler Pieter
Lastmann. Dieser war damals einer der einflussreichsten Maler, hatte
Caravaggio und die Brüder Caracci studiert und einen ganz eigenen Stil der
Historiendarstellung entwickelt. Er verbindet den monumentalen Stil Veroneses,
den Hell-Dunkel Effekt Caravaggios mit Elsheimers konzentrierter
Kabinettmalerei. Seine wichtigsten Schüler waren Rembrandt und Jan Lievens. Bild:
Die Nachtwache
| © Hedwig Abraham Juli 2002 |
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Seite erstellt am 6.7.2002
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