Rembrandt van Rijn

1606 – 1669

Spaltung der Niederlande

Die künstlerisch eigenständige Entwicklung der nördlichen, protestantischen Provinzen wird allgemein mit den Glaubens- und Freiheitskämpfen in Verbindung gebracht.
Als Rembrandt geboren wurde, regierte Phillip III als Kaiser in Spanien und in den Niederlanden, sowie in den überseeischen Besitzungen. 1579 führte die Union von Utrecht zu einer endgültigen Spaltung des Landes. Der katholische Süden mit Flandern und Brabant (Belgien) verblieb unter spanischer Herrschaft, die sieben nördlichen, protestantischen Provinzen - benannt nach der größten – wurden Holland genannt. 1581 wurde deren Unabhängigkeitserklärung ausgesprochen.  Bild: Selbstporträt

Aufschwung Hollands

Als Rembrandt 3 Jahre alt war, 1609, begann ein 12-jähriger Waffenstillstand. Durch diesen konnte sich in Leiden eines der wichtigsten Textilzentren entwickeln. Die frühkapitalistische Wirtschaftsform begünstigte den Aufschwung zum Reichtum und zur kulturellen Hochblüte. Auch der Seehandel war sehr ertragreich. Man exportierte Holz, Getreide und importierte spanisches Salz, französische Weine. Bild re: Karte von 1648

Holländische Kunstgattungen im 17. Jhd.

Die nun einsetzende facettenreiche Entfaltung der holländischen Malerei unterscheidet sich deutlich von jener des übrigen Europas. Der politische und grandiose wirtschaftliche Aufschwung Hollands spiegelt sich in den Bildgattungen Portrait, Landschaftsbilder, Stilleben, Gesellschaftsbilder, See- und Architekturstücke wider. Sie zeigen auch den profan-bürgerlichen Charakter der holländischen Kunst, in der es kaum großformatige, religiöse Darstellungen oder Historienbilder gibt.

In der Sammlungsgeschichte des Kunsthistorischen Museums in Wien tritt die holländische Malerei des 17. Jhd. gegenüber den Werken der venezianischen Malerei des 16. Jhd. bzw. der flämischen des 15.-17. Jhd erst spät in Erscheinung. Einige Hauptwerke kamen im 17. Jhd. in die Sammlung, die meisten Bilder wurden dann im Laufe des 19. Jhd. erworben. Einerseits ist dies dem persönlichen Geschmack der Habsburger zuzuschreiben, wie auch territorialen Gegebenheiten. Bild: eigenhändige Unterschrift Rembrandts

Privatleben Rembrandts

seltener Taufname - Kindheit

Rembrandt ist das neunte von 10 Kindern und wächst in relativ gutem Wohlstand, mit zwei Knechten und einem Dienstmädchen in der Familie, auf. Durch seinen seltenen Vornamen Rembrandt kann er seine Bilder signieren und vor Verwechslungen sicher sein. Seine Eltern gehören zum wohlhabenden Bürgertum. Als Müller werden sie als konvertierte Calvinisten durch den Aufkauf von Korn in erntereichen Jahren, dessen Lagerung und späteren teureren Verkauf in den Hungersnot, reich Nach dem Besuch der Lateinschule und der Leidener Universität stirbt sein Vater, und Rembrandt zieht nach Amsterdam. Bild: Selbstportrait

drei Frauen und ein Sohn

Rembrandt heiratet 1634 Saskia, eine Bürgermeistertochter aus der Provinz. Von den 4 Kindern erreicht nur der jüngste Sohn Titus (geboren 1641), obwohl auch krank, gebrechlich und schwächlich, das Erwachsenenalter, und auch er überlebt seinen Vater nicht. Saskia stirbt 1642, nicht einmal 30-jährig, Titus ist knapp 1 Jahr alt. Rembrandt geht keine zweite Ehe ein, da er damit den gesamten Nachlass von Saskia verlieren würde. Die Kinderpflegerin Geertje, eine Seemannswitwe, kommt ins Haus, 7 Jahre später verklagt sie Rembrandt auf ein Heiratsversprechen und hat einen Ring als Beweisstück. Rembrandt wird auf Unterhaltszahlungen verklagt, die er auch als Kostgeld zahlen muss, als sie von der Familie in ein „Urlaubszuchthaus“ eingewiesen wird. Bild: Sohn Titus

Nachdem Rembrandt in finanzielle Schwierigkeiten gerät, stellt er die Zahlungen ein, und sie wird entlassen. Er hatte sich einen aufwendigen Lebensstil geleistet (gepolsterte Stühle und keine Gebrauchsgegenstände) und riskante, unsolide Kapitalanlagen gemacht. Rembrandt geht in Konkurs, bezieht eine andere Wohnung. Seine zweite Kinderfrau Hendrickje Stoffels gründet mit dem Sohn Titus einen Gemäldehandel, und Rembrandt ist Angestellter - nur für Essen, Trinken und Unterkunft und kann somit nicht gepfändet werden.Bild: Selbstportrait

Er stirbt am 4. Oktober 1669 und hinterlässt nichts als seine Kleider und Malerausrüstung. Er wurde 63 Jahre alt.

Selbstporträts

Rembrandt schuf über 60 Selbstporträts. Besonders seine letzten zwei Lebensjahrzehnte kann man so sehr gut verfolgen. Sein Haar wird schütter und die Haut erschlafft. Sein Gesicht wird faltig und leicht aufgedunsen. Das Kunsthistorische Museum in Wien besitzt drei Selbstporträts aus der späteren Schaffensperiode des Künstlers. Es fehlen etwa seine religiösen Darstellungen, oder Historienbilder, wodurch ein einseitiger Eindruck vom Oeuvre Rembrandts entstehen könnte. Seine Selbstporträts dokumentieren nicht nur die äußeren Lebensumstände, sondern auch seine künstlerische Entwicklung.

Seit der Mitte der 50er Jahre erlebt er sich selbst, nachdem er den Höhepunkt seiner Karriere überschritten hatte – als alter Mensch. Bild: Selbstporträt

Großes Selbstporträt

Rembrandt beginnt das große Selbstporträt als seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten begannen. Zu der Zeit verkehrt er viel mit kalvinistischen Pilgern, fühlt sich sozial ausgeklammert und spiegelt hier ein Generalgefühl vom Leben wieder. Dieses Selbstbildnis war Vorbild für das Lunettenbild im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums.

Anders als in den frühen Bildnissen, auf denen er meist in prachtvollen Gewändern zu sehen ist, trägt er hier einen einfachen Malerkittel, die Hände selbstbewusst, ein wenig trotzig in die Hüften gestemmt. Die Daumen in den Gürtel eingehakt, blickt er herausfordernd, auch fragend, aus dem Bild heraus.

Nur das Gesicht wird durch den kräftig modellierenden Pinselstrich und den gezielten Einsatz des Lichtes – Meister des Hell-Dunkels – hervorgehoben. Die für die Frühzeit Rembrandts charakteristische kühle Farbigkeit und der kleinteilige Pinselstrich sind einer subtil abgestuften, nuancenreichen braunen Tonigkeit und einem breit-pastosen, die Formen vereinheitlichenden Pinselduktus gewichen, der Gewand, Hände und Hintergrund kaum mehr unterscheidet. Bild: Großes Selbstporträt 1652, Kunsthistorisches Museum, Wien

Kleines Selbstbildnis

Rembrandt schuf dieses Werk im Jahr seines finanziellen Ruins, ein Jahr später muss er sein Haus verlassen.

Die Augen blicken erschöpft, tief bedrückt, die Mutlosigkeit spricht aus ihnen. Die Wirkung der Gesichtszüge wird durch den knappen, nahen Bildausschnitt aufs äußerste gesteigert. Das Licht ist sehr eng aufs Gesicht gerichtet, und es hebt sich dadurch stärker vom Umraum ab. Die dramatische Verstärkung des Ausdrucks durch gezieltes Einsetzen des Lichtes verwendet Rembrandt in seiner späteren Schaffensperiode immer wieder zur physionomischen Farbigkeit. Auch der Pinselduktus ist mit dem großen Selbstporträt vergleichbar. Bild: Kleines Selbstbildnis 1657, Kunsthistorisches Museum, Wien

Prophetin Hanna

In seiner Jugend hatte Rembrandt oft Greise gemalt, die, vom Leben gezeichnet, auf Gesicht und Händen die Spuren des Lebens eingegraben hatten, unter den Lasten und Beschwerden zunehmender Gebrechlichkeit litten und dennoch die Weisheit und Würde des Alters ausstrahlen. Das Porträt seiner Mutter, die Rembrandt mehrfach als Modell diente, entstand ein Jahr vor ihrem Tod, in einer Zeit intensiver künstlerischer Entfaltung und raschem, gesellschaftlichem Aufstieg. Rembrandt hatte eine riesige Requisitensammlung für sein Atelier mit 104 Schülern.

Die halbfigurige, leicht gekrümmte Gestalt der greisen Frau, die ihre Hände auf einen Krückstock stützt, ist in schwere, kostbare Gewänder gehüllt. Der jüdische Gebetsmantel charakterisiert sie als Prophetin Hanna aus dem Lukasevangelium (er verwendete das Motiv des Gebetstuches schon 1636).

Die bräunlichen, rötlich-gelben Farben und tonigen Abstufungen des Hell-Dunkels sind mit kleinteiligem, fein-pastosem Pinselstrich aufgetragen, wie er für Rembrandts mittlere Schaffensperiode charakteristisch ist. Das Bild war ursprünglich quadratisch, wurde aber auf ein Oval beschnitten. Die Hände sind übermalt. Das Bild kam durch Ankauf Maria Theresias in österreichischen Besitz, alle anderen Exponate durch Franz I. Bild: Prophetin Hanna 1639, Kunsthistorisches Museum, Wien

Titus van Rijn

Rembrandt schuf etwa 10 Bilder von seinem Sohn. Hier vereint er Porträt- und Genredarstellung. Der sitzende, laut lesende (damals Usus) Jüngling blickt auf das Buch in seinen Händen. Durch die leicht geöffneten Lippen wird der augenblickhafte Charakter, die Momenthaftigkeit der intimen Szene, der Situation betont.

Räumlichkeit entsteht durch die hohle und diagonal führende Rückenlehne. Die gezielte Lichtführung modelliert Stirn (sie ist in feinen, zarten, hellen, glatten Pinselstrichen ausgeführt), Schläfe, Nase, Hände und Manschetten (dickflüssige Farbe) – plastisch und hebt sie gegen den im Schatten liegenden Oberkörper hervor. Dem Bild wird damit noch ein zusätzlich poetischer Reiz verliehen. Bild: Titus van Rijn 1656, Kunsthistorisches Museum, Wien

Die Judenbraut

Im Herbst 1885 besuchte Vincent van Gogh mit seinem Freund Anton Kerssmakers das neu eröffnete Rijksmuseum. Als er die Judenbraut erblickte, blieb er zurück und sagte später zu seinem zurückgekehrten Freund: „Glaubst Du mir wohl, und das meine ich wirklich, dass ich zehn Jahre meines Lebens dafür gäbe, wenn ich dafür noch 14 Tage vor dem Gemälde sitzen bleiben dürfte, nur mit einem trockenen Stück Brot zu essen.“

Ein Teil dieser Faszination liegt zweifellos in der Tatsache, dass der Entstehungsprozess – die Maltechnik – der Werke etwas Rätselhaftes hat. Bei vielen Malern kann man leicht den Akt des Malens am Pinselstrich verfolgen, Rembrandts späte Gemälde sind aber das Ergebnis unergründlicher Prozesse. Bei der Judenbraut fällt der ungeheure Reichtum und die Differenzierung der Farbbehandlung auf. Das Gemälde scheint sich selbst gemalt zu haben, ein Ergebnis eines geologischen Prozesses zu sein. Eine der eindruckvollsten Passagen bildet der Ärmel des Mannes, in dem sich die Farbe in Klumpen und Schollen erhebt und das Licht reflektiert. Die partiell grobe Farbstruktur hat jedoch auch eine wichtige Funktion für die Raumwirkung von Rembrandts Gemälden.

Meister des Hell/Dunkel

Rembrandt verspürte nicht viel Lust und Neigung, die Universität zu besuchen, da seine natürlichen Regungen allein auf die Mal- und Zeichenkunst gerichtet waren. So kam er zu seinem ersten Lehrer Jacob Isaacz van Swanenburgh. Dass dieser katholisch war, zeigt von der liberalen Einstellung der Eltern Rembrandts. Swanenburgh malte phantastische Höllenszenen, die vor allem von Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel d. Ä. beeinflusst waren. Hier lernt Rembrandt das Spiel von Licht und Finsternis kennen, sowie die Reaktionen der panischen, entsetzten, und resignierenden Verdammten malerisch zu erfassen.

Seinen eigentlichen Lehrmeister fand Rembrandt jedoch in dem Amsterdamer Historienmaler Pieter Lastmann. Dieser war damals einer der einflussreichsten Maler, hatte Caravaggio und die Brüder Caracci studiert und einen ganz eigenen Stil der Historiendarstellung entwickelt. Er verbindet den monumentalen Stil Veroneses, den Hell-Dunkel Effekt Caravaggios mit Elsheimers konzentrierter Kabinettmalerei. Seine wichtigsten Schüler waren Rembrandt und Jan Lievens. Bild: Die Nachtwache

© Hedwig Abraham Juli 2002




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