|
Kunsthistorisches Museum
Die Malerei im Stiegenhaus
Teil 2
Zwickel - und Interkolumnienbilder
Gustav Klimt |
Eigentlich
war für die gesamte Malerei des Stiegenhauses Hans Makart vorgesehen.
Aber bis zu seinem Tod 1884 hat er nur die Lunettenbilder ausführen können.
Für die Zwickelbilder hatte Makart nur Grotesken auf Goldgrund
vorgesehen gehabt, also reine Dekorationsmalerei, ohne eigene Aussage,
ohne jeglichen Hinweis auf das „Schatzhaus“ der kaiserlichen
Kunstsammlungen.
Nach dem Tod Makarts wurde der Auftrag (ausgenommen dem
Deckengemälde) auf die Gebrüder Ernst und Gustav Klimt und Franz Matsch
übertragen, die Künstler teilten die Arbeit mittels Los unter sich auf. Jeder
eine Seite, die 4. Seite gemeinsam. Diese Studienkollegen hatten 1879 gemeinsam
die Künstlerkolonie gegründet. Ihre „Probearbeit“ hatten die drei
schon vorher in der Hermesvilla abgeliefert, kurz danach bewährten sie sich
beim Deckengemälde im Stiegenhaus des Burgtheaters. Die Arbeit im KHM sollte
allerdings auch die letzte des Trios sein. |
|
In
der neuen Planung der Zwickel- und Interkolumnienbilder sollte auf die
reichhaltigen Sammlungen der Habsburger hingewiesen werden. Dargestellt werden
sollten nun Plastik, Kunstgewerbe, Kostüm, Schmuck, Waffen usw. Und zwar
in den mannigfachen Stilen der verschiedenen Zeitepochen.
Diese Vorgabe verlangte von den Ausführenden ein breites
kunstgeschichtliches Basiswissen und eine beinahe wissenschaftliche
Kenntnis der Sammlungsobjekte. Die Kompanie hat auch einen Gutteil ihrer Zeit
mit intensivem Objektstudium verbracht. Sie wollten den Zyklus auch als
eigenständiges Kunstwerk. Er soll für sich selbst sprechen und keineswegs bloß als
Intention eines historisch schulmäßigen Bilder- oder Schulatlases
verstanden werden. In diesem Sinne hat der Zyklus auch keine sich chronologisch
entwickelnde Leserichtung. |
 Franz Matsch |
1. Nordische Gotik des späteren
Mittelalters
|
|

|

|
|
Der Sündenfall |
Heiliger Georg, Totentanz |
Heilige Ursula |
Totentanz
|

|
Hier
im linken Zwickel sind zwei Hauptthemen der mittelalterlichen Kunst verbunden:
Die Legende des Heiligen Georg und Totentanz. Aus dem dunklen,
zart goldgerankten Grund tritt in plastischem Kontrast der geharnischte Georg.
Seine zum Stoß gegen den Drachen erhobene Lanze führt das Totengerippe,
nachempfunden dem Ritterbild Hans Holbeins dem Jüngeren im Baseler Totentanz.
Sein Harnisch, wie die darüber befindliche Inschrift, weisen
auf Kaiser Maximilian I., den letzten Ritter, hin. Dieser
stand an der Zeitwende vom Mittelalter zur Neuzeit. Er feierte noch Turniere und
gleichzeitig bediente er sich der Errungenschaften der Renaissance und ließ
Albrecht Dürer für propagandistische Verherrlichungen des Kaiserhauses
unzählige Kupferstiche herstellen. |
Holbein d.J. Baseler Totentanz, Auszug
|
Heiliger Georg
|
"Der
Schurl mit der Blechhaubn".... so nennt der Wiener liebevoll den
Heiligen Georg (Verballhornung von Georg - Schorsch - Schurl). Seit dem 4.
Jahrhundert ist in Lydda (Palästina) die Verehrung des Märtyrers Georg
bezeugt. Er stammte aus Kappadokien und war römischer Offizier. Unter
Kaiser Diokletian erlitt er 303 n. Chr. einen grausamen Tod. In späteren,
reichlich ausgeschmückten Legenden erscheint Georg als der Held, der glorreich
den Kampf mit dem höllischen Drachen besteht. Der unbesiegbare Glaubensheld
wurde zum großen Soldatenpatron. Das Land zwischen dem Kleinen und dem
Großen Kaukasus heißt nach ihm Georgien.
Aber nicht nur im Osten, sondern auch im Westen wurde Georg
viel verehrt. In der Wiener Augustinerkirche wurde 1469 die Georgsritter-Bruderschaft
von Kaiser Friedrich III. gegründet. Grundlage dafür war die Leg. Aur., welche
erzählt, wie Georg in weißer Rüstung als "herrlicher"
Jüngling" den Kreuzrittern vor Jerusalem erschienen sei. Von Gott
zur Erde zurückgeschickt, habe er sie unterstützt, die Sarazenen zu
erschlagen und Jerusalem zu erobern. |
Heiliger Georg, Ikone, Russland, 16. Jhd. |
Der Sündenfall
 |
Die
Ursünde ist das Hauptthema des Interkolumniums (Teil zwischen den Säulen), auf
dem sich unten der Drache als Repräsentant der Sünde befindet (im Maul
die Lanze des Hl. Georg), darüber Adam und Eva unter dem Apfelbaum, in
dessen Baumkrone das Totenkopfwappen hängt (Bild siehe oben).
Die Auswirkungen sind in der Bibel nachzulesen. Zur verführerischen Schlange
sprach Gott: "Weil du das getan hast, bist du verflucht unter
allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und
Staub fressen alle Tage deines Lebens." Zu Adam sprach Gott (mit der
Eva hat er gleich gar nicht mehr geredet): "Feindschaft setze ich
zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren
Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse."
Adam nannte seine Frau Eva (die die Leben gibt), denn sie wurde die
Mutter aller Lebendigen. |
Der Sündenfall, Lucas Cranach
|
Heilige Ursula
|
Im
rechten Zwickel ist die Gotik dargestellt, mit der heiligen Ursula, die mit Lilienkrone,
Ostensorium (ähnlich Monstranz mit Reliquie oder Hostie) und Kristallszepter
ausgestattet ist. Ihr Profil unterlegt ein goldener Nimbus mit der Inschrift
Sancta. Äffchen und Blumengirlanden, Motive der Buchmalerei, schließen
den Zwickel. Hier hat der Maler Franz Matsch signiert: anno Domini 1890
steht im Eck geschrieben.
So wie der hl. Georg ist auch die hl. Ursula mit dem
deutschen Rittertum verbunden. Sie war die Tochter eines frommen, englischen
Königs, und berühmt für ihre Schönheit. Bevor sie heiraten soll, pilgert
sie gemeinsam mit anderen Jungfrauen mit dem Schiff nach Rom. Dort buhlen
römische Herren umsonst um die Jungfrauen. Aus Rache für die Ablehnung stiften
diese Hunnen an, Ursula und ihr Gefolge bei ihrer Heimreise bei Köln
hinzumetzeln. Ursula selbst stirbt durch einen Pfeilschuss. Dieses Martyrium
ist ihr vorher schon von einem Engel im Traum vorhergesagt worden. Attribute:
Pfeil in der Hand, gelegentlich Schiff, meist aber von den sich an sie
drängenden Jungfrauen umgeben. Stadtpatronin Kölns. |
|
Heilige Ursula umgeben von Jungfrauen
|
2. byzantinische Kunst
 |
|
Byzantinische Kunst |
Karl der Große
 Büstenreliquiar Karl der Große |
Für
die byzantinische Kunst im Interkolumnium zeigt Matsch einen knieenden Engel,
welcher ein rauchendes Thuribulum (Rauchfass) emporhebt, dessen
Original sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindet, und zwei
Hauptwerke der mittelalterlichen Kunst: Den Aachener Marienschrein und
das Büstenreliquiar Karl des Großen. Beide befinden sich in der
Aachener Marienkirche. Das Büstenreliquiar wurde von Kaiser Karl IV.
anlässlich seiner Krönung 1346 gestiftet, es nimmt die Hirnschale
von Karl I. (der Große) auf. Goldschmiedearbeit Aachen, heute im Domschatz.
Diese Pfalzkapelle Karl des Großen war die
ideologische Schaltzentrale seines Reichs und Ort seiner Grablegung. Während
des ganzen Mittelalters war der Dom ehrwürdiger Schauplatz der Krönungen
und symbolischer Lebensnerv des "Sacrum Imperium Romanum" für fast 600
Jahre. Von Kaiser Otto I. (936 n. Chr.) bis zu Ferdinand I. (1531 n. Chr.)
wurden hier 30 Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
gekrönt, und wenn Kriege oder Nachfolgestreitigkeiten die Feierlichkeiten an
einen anderen Ort zwangen, beeilten sich die Herrscher, sich noch einmal in
Aachen krönen zu lassen. |
Marienschrein - Reliquienbehälter
|
Der Marienschrein
entstand am Übergang von der Romanik zu Gotik zwischen 1220 und 1239. In ihm
werden seit seiner Fertigstellung die vier großen Heiligtümer Aachens, die Windeln
und das Lendentuch Jesu, das Kleid Mariens und das Enthauptungstuch Johannes des
Täufers aufbewahrt. Seit dem Pestjahr 1349 wird der Schrein alle sieben
Jahre bei Prozessionen mitgeführt und geöffnet. Goldschmiede
brauchten 20 Jahre in ihrer mittelalterlichen Werkstatt, bis der Schrein fertig
war. Um die frühere Pracht wieder voll zur Geltung zu bringen, mussten 750
Jahre später 3000 Einzelteile zerlegt und vom Ruß und Staub der
Jahrhunderte befreit werden. Seit März 2000 befindet sich das Kunstwerk wieder
an seinem angestammten Platz in der Chorhalle des Aachener Doms neben dem Altar.
|
Marienschrein Aachen |
Ungarische Krone
 |
Im
Zwickel wird die byzantinische Kunst mit einer Basilissa
dargestellt, die den Betrachter frontal anblickt (Matsch suchte sich hier
Vorbilder aus Ravenna). Sie ist ein ein perlenbesticktes Prachtkleid
gehüllt und vom Kronerand fallen die Pendilien (hängender Schmuck) auf ihre
Schultern. Der Hintergrund ist in Form eines ornamentalen Boden- und goldenen
Wandmosaiks mit dem Zeichen Christi und Alpha und Omega angelegt.
Bei den meisten Kronen gingen die Pendilien verloren (auch bei der
Reichskrone!), bei der ungarischen Krone blieben sie allerdings erhalten.
Zugeschrieben wird die Entstehung Stephan dem Heiligen von Ungarn, der 1000 n.
Chr. gekrönt wurde. Jedoch entstand sie wahrscheinlich 100 Jahre später, und
ist ein Meisterwerk der byzantinischen Goldschmiedekunst. |
|
Ungarische Krone |
In der ungarischen Geschichte spielte sie eine besondere
Rolle, denn das Gesetz anerkannte nur denjenigen als ungarischen König, der mit
dieser Krone gekrönt worden war. So hatte die ungarische heilige Krone
im Laufe der Jahrhunderte ein abenteuerliches Schicksal (das schiefe
Kreuz zeugt davon), sie wurde gestohlen und vergraben, man führte Schlachten um
ihren Besitz, und zum Ende des Zweiten Weltkrieges fiel sie in amerikanische
"Gefangenschaft". Im Jahre 1977 kehrte sie schließlich aus Fort
Knox nach Ungarn zurück. Heute ist sie zusammen mit den anderen
Krönungsinsignien im Ungarischen Nationalmuseum in Budapest ausgestellt.
3. Römische Antike
 |
|
Römische Antike |
Als Heroine,
in Tunika und Überwurf gehüllt, Lorbeerzweig und bronzene Statuette der Siegesgöttin
Victoria in Händen, lehnt die römische Kunst am Bogen der Arkade. Hinter
ihr ist die capitolinische Wölfin teilweise sichtbar, die Gebälkinschrift
verweist auf die republikanische Zeit (Senat)us Popu(lus)que rom(anum).
Neben der Imperatorenbüste mit der Inschrift
Caesar.august.imp. baut Matsch in freier, phantasievoller Kombination über
einem Räucherbecken ein Tropaion als Staatsdenkmal auf: Über dem Haupt der
Medusa die Feldzeichen der besiegten Barbaren mit der Inschrift Cb
cives servatos. Darüber die sitzende Roma.
Julius Caesar
4. Karolingische Kunst
 |
 |
|
Entwurf |
Ausführung, Germania mit Reichskrone |
 |
Symbolfigur
der karolingischen Zeit im linken Zwickel ist Germania. Das „lichte,
blonde, deutsche“ Mädchen ist in den Krönungsmantel gehüllt, der
sich heute in der Schatzkammer befindet. Es blickt ehrfürchtig auf die Reichskrone
in seinen Händen. Im Hintergrund ist eine der karolingischen Buchmalerei
entnommene Rahmenleiste zur Säule umgesetzt. Die Inschrift C(a)rolus +
Imp(erator) schließt das Bild gegen die oben (Kämpferzone) ab.
Obwohl Krönungsmantel und Reichskrone erst später entstanden, wurden sie
aus propagandistischen Gründen Karl dem Großen zugeordnet, der
800 n. Chr. vom Papst in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt
wurde. |
|
Reichskrone | |
5. Burgundische Kunst
 |
 |
 |
|
Ausführung Burgund |
Entwurf Burgund |
Eros |
Maria von Burgund
 |
Der
rechte Zwickel zeigt ein Liebespaar und ist eine Anspielung auf Kaiser
Maximilian und seine Gemahlin Maria von Burgund. Innig wendet das Paar die
Köpfe zueinander, beide in prachtvolle burgundische Hofkleidung
gehüllt. Der Jüngling hält in seiner rechten Hand einen Granatapfelzweig, wieder
eine Anspielung auf Maximilian. Die Bordüre der den Hintergrund schließenden
Tapisserie bezieht sich in ihrer nur teilweise lesbaren Inschrift auf die Minne:
Schöne. Frouwe. Begnogend. mich...in .....I ...(...). |
|
Maria von Burgund
| |
Orden goldenes Vlies
|
Hier
im Interkolumnium wird die Verbindung der Häuser Österreich und Burgund
geschildert. Im Stammbaum erscheint auf goldenem Schild der doppelköpfige
Reichsadler, überhöht von der rudolfinischen Hauskrone, umgeben von der aus
Feuereisen zusammengesetzten Kette des Ordens vom goldenen Vlies.
Durch die Hochzeit Marias von Burgund, deren Großvater den
Orden gegründet hatte, gelangte er nach Österreich, zusammen mit vielen anderen
burgundischen Schätzen. Sie war ja damals die reichste und auch hübscheste
Erbin Europas. Links und rechts des Stammes sieht man die Wappen der
Häuser Österreich und Burgund. Hinter der Säule lugt Amor hervor. Alle
drei Teile stammen vom Künstler Franz Matsch. |
 |
| |
Colane des Ordens vom Goldenen Vlies, Schatzkammer Wien
|
6. Florentinisches Cinqueccento
 |
 |
 |
|
Florentinisches Cinquecento, 15. Jhd. |
David, Caravaggio, KHM |
David, Michelangelo |

Entwurfzeichnug |
Für
ersteres wählte Gustav Klimt die Umsetzung eines der frühen Hauptwerke Michelangelos,
den David mit dem Haupt des Goliath. Der Kopf des Goliath zwischen den
Säulen, David im Zwickel. Dieser kraftvolle David im Lendenschurz hält in der
Linken den blutbefleckten Säbel und in der ausgestreckten Rechten,
übergreifend in das Interkolumnium das abgeschlagene Haupt seines Gegners. |
Goliath's Kopf scheint fast wie eine Büste auf den darunter stehenden Marmorsockel
gesetzt, dessen lateinische Inschrift teilweise verdeckt ist. Als Zeichen
der Mahnung lautet sie: Wen Gott verderben will, den verblendet er vorher.
Durch die einheitliche, in sich geschlossene Hintergrundwand und den
durchgehenden Perlenstab verbindet Klimt den linken und den rechten Zwickel zu
einem Bildraum.
7. Florentinisches Quatrocento
 |
|
Florentinisches Quatrocento, 14. Jhd |
 |
Das
florentinische Quatrocento, also das 14. Jhd. verkörpert eine Venus (Botticelli
nachempfunden). Sie lehnt an einer geöffneten Muschel, Amor zu ihrer Seite.
Aphrodithe (Venus) wird die Schaumgeborene genannt.
Die Göttin der Liebe und der Begierde, entsprang angeblich dem Schaum,
der die Genitalien des Uranos umhüllte, nachdem Kronos diese
abgeschnitten und ins Meer geschleudert hatte. Nach ihrer Geburt ritt sie
auf einer großen Meeresmuschel nach Kythera, einer kleinen Insel vor der
Küste des Peloponnes. Dann zog sie weiter nach Paphos auf Zypern, das zu
einem bedeutenden Zentrum ihres Kultes wurde.
Nach anderen Berichten war sie die Tochter von Zeus und Dione,
der titanischen Göttin der Eichen, auf denen liebestolle Tauben nisteten.
Tatsächlich wurde Aphrodite immer von Tauben und lüsternen Sperlingen
begleitet. Die Legende von ihrer Geburt im Meer mag mit dem mediterranen
Glauben zusammenhängen, dass Meeresfrüchte aphrodisisch wirken. |
Geburt der Venus, Botticelli
| |
8. Barock und Rokoko
 |
 |
|
franz. Barock, Rokoko |
österr. Barock, Rokoko |
 |
Im
linken Interkolumnium stützt sich ein nacktes Mädchen auf einen Wappenschild.
Dahinter sieht man den französichen Sonnenkönig Louis XIV. Er ist hier
als seitenverkehrte Umsetzung der Bernini' schen Büste
wiedergegeben.
In den Zwickeln trifft Matsch den süßliches Zeitgeschmack
des Rokoko vollkommen. Schelmisch wendet sich die prachtvoll gekleidete Rokokodame
ihrem sie aus dem gegenüberliegenden Zwickel betrachten den ebenso prachtvollen
Kavalier zu. Lässig auf den Bogen der Arkade gestützt hält er in der
Linken eine Violine. Rosengirlanden und Rocailleornamente füllen
den Hintergrund.
Das rechte Interkolumnium zeigt eine Büste Kaiserin Maria
Theresias, nach dem original von Georg Raphael Donner. Unter den Reigen der
Putti hat Matsch seine volle Signatur gesetzt. |
|
Bernini, Ludwig XIV | |
9. Holländische Schule
 |
|
Holländische Schule |
Die
Holländische Schule verkörpert Ernst Klimt, dessen Hauptinteresse
kostümgeschichtlichen Studien gilt, durch eine schwarz gekleidete Patrizierfrau
mit auffälligem, weißem Tellerkragen, in der Linken eine Tulpe. Hinter
ihr bauscht sich ein dunkler, von einer Kordel geraffter Vorhang. Sie gibt den
Typus der Frans Hals- und Rembrandt'schen Portraitmalerei wieder.
 |
Mode
Um 1600 war das zur einflussreichen Kolonialmacht
aufgestiegene Spanien federführend in der Mode geworden. Spanien stellte
ein Zentrum katholischer Frömmigkeit dar, man trug fast ausschließlich
schwarz, dazu gesteifte Halskrausen. Männer- wie Frauenmode war steif,
ausgestopft und hochgeschlossen.
Die Weiterentwicklung der Mode durch den 30jährigen Krieg machten zwei Länder
nicht so recht mit: Die Holländer und die Flamen. Sie trugen
weiterhin am liebsten Schwarz und wollten nicht von der Halskrause
lassen. Dies hatte nicht nur mit der protestantischen Strenge zu tun, sondern
sie standen unter dem Einfluss Spaniens. Auch diese hielten an der Steifheit
fest, die Reifröcke wurden sogar noch breiter, wie sie Velázquez oft malte.
Erst 1648 befreiten sich die Niederlande von der spanischen Oberherrschaft,
Flandern noch später. |
| Damenportrait, Holland
| |
10. Flämische Schule
 |
|
Flämische Schule |
 |
Für
die Symbolfiguren der Flämischen Schule stand Rubens Pate. Seinem Bacchanal
nachempfunden, bedrängt ein Satyr spielerisch eine nackte Bacchantin. Zwei
feiste, sich in Rosenblüten balgende Putten schließen den Interkolumnium.
Bacchanal
Die Satyrn erscheinen als Pferde in Menschengestalt. Verwandt mit den Nymphen führten sie ein friedliches und lustiges Leben (Ausnahme der Satyr Marsyas).
Sie waren wie ihre römischen Vettern, die Faune, von Haus aus Waldgeister,
also sehr der Natur verbunden. Dem Wein waren sie auch sehr zugetan,
darin unterscheiden sie sich auch ein wenig von den sehr ähnlichen Silenen,
denn diese sind für ihre Vorliebe für die Liebeslust bekannt. So findet man
sie alle musizierend und in munteren Sprüngen tanzend im lüsternen Gefolge bei
den Festen (Bacchanale) des Weingottes Dionysos. (Bacchus). |
| Häutung des Satyr Marsyas |
Satyr Marsyas
Der Satyr Marsyas fand die Flöte, die einst Athene
fortgeworfen hatte (sie gefiel sich nicht mit aufgeblasenen Backen), und wurde
bald ein Meister des Flötenspiels. Übermütig forderte er Apollon zu
einem Wettstreit auf, den dieser erwartungsgemäß gewann. Aber Apollon
war so zornig über die Unverfrorenheit des Marsyas, dass er ihn bei lebendigem
Leib häutete wie einen Ziegenbock.
Tragödie
Aus den kultischen Feiern zu Ehren des Gottes Dionysos
entwickelte sich das Wort Tragödie. Wörtlich übersetzt bedeutet
es Bocksgesang (griech: trágos - bock, ode - Gesang). Bei diesen
kultischen Gesängen waren die Mitglieder des Chores in Bocksfellen als Satyrn
verkleidet aufgetreten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus der Tragödie
das Drama: durch Einführung eines Dialogs zwischen Chorführer und Chor und
durch Einführung eines, später mehrerer Schauspieler. Mit der Ausgestaltung
des kultischen Chorgesangs zur dramatischen Form empfing die Bezeichnung
Tragödie ihren neuen Sinn.
11. Römisches Quatrocento
 |
| Römisches Quatrocento |
Linker
Zwickel, Rom: Symbolfigur ist Ecclesia, die römische Kirche, im Kreis
der Insignien des Papsttums: Den Kopf mit einem goldenem Nimbus unterlegt, hält
sie die Tiara und das Pontifikalkreuz in Händen. Als Schaustück
kirchlicher Prachtentfaltung umhüllt sie das mit Szenen aus der Heilsgeschichte
reich bestickte Pluviale. Das Rundfenster, in der die beiden
Zwickel zu einem Bildraum schließenden Marmorwand, trägt am Rahmen die Rundschrift
(P)ontifex, als Hinweis auf den Papst als Pontifex Maximus.
 |
Tiara - Mitra
Die Tiara, die der jetzige Papst wegen ihres Prunkes nicht
trägt, ist nicht christlichen, sondern heidnischen Ursprunges. Die Krone findet
sich schon auf assyrischen Tafeln und wird dort von "Göttern" oder
"Engeln" getragen. Auch die Mitra (als "Nikolaushut"
bekannt) findet man schon auf mesopotamischen Skulpturen. Sie symbolisierte
ursprünglich den Kopf eines Fisches.
| | Papsttiara
|
12. Venezianisches Quatrocento
 |
|
Venezianisches Quatrocento |
Im
rechten Zwickel, im Venezianischen Quattrocento ist der venezianische Doge
dargestellt, mit Dogenhut und Brokatmantel, als Gegenstück der römisches
Kirche. Seine Züge erinnern an das Portrait des Dogen Leonardo Loredan von
Giovanni Bellini, in der National Gallery in London. Hinter ihm hält der golden
nimbierte Markuslöwe ein aufgeschlagenes, goldenes Buch, dessen Segensspruch
(Pax tibi marce evan geli sta meus) sich auf den Schutzheiligen der Republik
Venedig bezieht.
Das Interkolumnium füllt das Weihwasserbecken aus dem Dom
von Siena.
Bellini, Doge Leonardo Loredan (regierte 1501-1505)
13. Griechische Antike
 |
 |
|
Griechen |
Pallas Athena |
Aus
dem Interkolumnium beugt sich das „Mädchen aus Tanagra“ dem Betrachter
entgegen. Auf der marmornen Brüstung steht die kleine, bronzene Venus
(in der Antikensammlung KHM) vor einer großen, antiken Vase. Gustav Klimt.
Im Zwickel sieht man Pallas Athena, die dem Betrachter
wie ein Standbild gegenübersteht. Der Ägisschild ist ihr als
schmückender, goldener Kragen um den Hals gelegt. In der Rechten trägt sie eine
geflügelte Nike, Göttin des Sieges, und in der Linken ihren Speer.
Pallas Athena, Gustav Klimt
Kopfgeburt Pallas Athena
Der Vater von Zeus, Kronos, hatte alle seine Kinder
gleich nach der Geburt verzehrt, weil er fürchtete, sie würden mächtiger
werden als er selbst. Zeus hatte nur durch eine List seiner Mutter überlebt
(sie hatte Kronos einen Stein zum essen gegeben, und Zeus in einer Höhle
versteckt aufwachsen lassen). Zeus heiratete dann Methis, die ihm übrigens auch
half, seinen Vater zu stürzen. Aber als sie dann schwanger wurde, verschlang
Zeus seine Gattin mitsamt ihrer Leibesfrucht, denn er fürchtete das
gleiche Schicksal wie sein Vater! Doch nach dem Mahl bekam er fürchterliche Kopfschmerzen
und rief die Titanen zu Hilfe. Als Zeus medizinische Nothelfer den Druck in
seinem Schädel mit einem Axthieb linderten, sprang Athene, als
ausgewachsene Kriegerin in kompletter Rüstung, heraus.
14. Ägyptische Kunst
 |
|
Ägyptische Kunst |
 Mumienkopf, KHM
|
Die
Symbolfigur Ägyptens im Zwickel scheint in einer altägyptischen Grabkammer
zu stehen, rechts unten steht der falkenköpfige Gott Horus. Im oberen
Bereich zeigt Gustav Klimt typische Motive ägyptischer Tempel- und fürstlicher
Grabdeckenmalereien: Die weibliche Aktfigur trägt die schwarze,
goldgesträhnte Perücke, wie sie von königlichen Mumiensarkophagen bekannt
ist. Ferner den typischen prachtvollen Halsschmuck und in der ausgesteckten
Rechten „Anch“, das Lebenszeichen.
Der ansonsten bei Gustav Klimt durchgehende gestaltete Hintergrund der
Zwickelbilder ist hier aus thematischen Gründen geteilt. |
Göttin Nechbet
|
Der
Geier ist das heiliges Tier und Personifikation der Göttin
Nechbet. Oftmals wurde er auf den Decken der Grabkammern dargestellt, mit
weit ausgebreiteten Schwingen und langstieligen Federfächern in
seinen Fängen bewacht er beschützend den Weg des bestatteten Königs in
das Allerheiligste.
|
 Plafond Ägyptische Sammlung KHM, Ausschnitt |
Nechbet ist auch Göttin und Schutzherrin Oberägyptens, ihr
Geier gilt in der ägyptischen Spätzeit als Symbol des Weiblichen. Ihm
steht als Verkörperung des männlichen Prinzips der Käfer gegenüber, der
geflügelte Skarabäus.
 Thronende Isis, den Horusknaben säugend, 600 v. Chr., KHM |
Das
Interkolumnium zeigt ein effektvoll gebautes Ensemble der ägyptischen
Kunstindustrie. Auf dem im Vordergrund sichtbaren Uschebti-Kästchen
thront die basaltene Sitzstatue der Göttin Isis. Im Mittelgrund ist ein
Kasten in Form eines Schreines mit zwei Hieroglyphenkolumnen zu sehen, auf dem
die Statue des Gottes Path (Hauptgott der Residenz des Alten Reiches,
Memphis) und ein Schreiber stehen. Dahinter ein großer, hölzerner,
bunter Außensarkophag der 24. Dynastie und ein Hathor Kapitell. Keines
der dargestellten Objekte befindet sich im KHM.
Isis-Kult
Isis ist ein wesentlicher Bestandteil des ägyptischen
Schöpfungsmythos. Sie repräsentiert den weiblichen Archetypus. Osiris war ihr
göttlicher Gatte. Sie steht mit Fruchtbarkeitskulten in Verbindung. Die
Kuhhörner und die Sonnenscheibe auf ihrem Haupt deuten auch darauf hin. Der
Isiskult wurde auch von den Griechen und Römern übernommen, und gelangte so
bis nach Mitteleuropa. Die Darstellung von Maria und dem Jesuskind soll sich von der
Darstellung Isis mit dem Horusknaben ableiten. |
Uschebti
Uschebti
heißt übersetzt soviel wie "Antworter". Es sind Arbeiterfiguren
in Mumienform, die den Verstorbenen ins Grab mitgegeben werden, um
stellvertretend für sie in den jenseitigen Gefilden die Arbeiten zu verrichten.
Daher auch die große Anzahl der kleinen Figürchen (15-30cm): 365
entsprechend den Tagen des Jahres und zusätzlich mindestens 36 Aufseher.
Ihre Verwendung und die zu verrichtenden Arbeiten sind ihnen auf den Leib
geschrieben. Sie halten meistens Hauen in ihren beiden Händen. Und wenn
der König, bzw. die Aufseher sie nun zur Arbeit riefen, mussten sie
"antworten".
Uschebti für Sen-Nedjem, 1300 v. Chr., KHM
15. Altitalienische Kunst
 |
In den
linken Zwickel setzt Gustav Klimt einen jungen Mann. Er trägt ein florentinisches Kostüm
des 15. Jhd., hält ein Buch in den Händen und blickt hinüber zum anderen
Zwickel, zu seinem weiblichen Gegenpart. Hinter ihm sieht man noch
Engelsköpfchen und einen Majolikafries.
Das prachtvoll gekleidete weibliche Gegenstück erinnert im
Typus an die Engel- und Mädchengestalten des Tre- und frühen
Quatrocento. In der Linken hält sie einen Blütenzweig, die leicht
angewinkelte Rechte auf den Bogen der Arkade gestützt. Aus ihrer Armbeuge lugt
ein rotgeflügelter Seraphim.
Im Vordergrund des Interkolumnenbildes steht ein
geflügelter, weißgeschürzter Putto, der mit beiden Händen einen goldenen
Schild hält. Über ihm ragt die Büste Dante Alighieris.
Entwurf Dantezeichnung |
16. Deutsche Renaissance
 |
 |
|
Bronzebüste Rudolf II |
Deutsche Renaissance |
 Büste Kaiser Rudolf II. |
Interkolumnium:
Bronzebüste Kaiser Rudolfs II., nach dem im Haus befindlichen Original
von Adriaen de Vries (Prag 1603). Die Portraitbüste Rudolfs, einer der
wichtigsten Sammler und Förderer dieser Kunstrichtung, setzt Klimt auf einem
Marmorsockel mit folgender Inschrift: Rvdolphv(s). II D. G. EleC. Rom. Impera.
Das Renaissancepaar der gegengestellten Zwickelfiguren verbindet Ernst Klimt
durch einen einheitlich gestalteten, mit Ranken, Grotesken und Fruchtbündeln
verzierten Bildgrund. Die reich gekleidete weibliche Figur hält mit beiden
Händen einen Kokosnusspokal in der Art der Nürnberger
Goldschmiedearbeiten. Das männliche Gegenstück ist mit einem dunklen,
pelzverbrämten Oberkleid angetan, von dem sich die geschlitzten Ärmel abheben,
die Figur hält ein geschlossenes Buch in Händen.
|
17. Spanien und Niederlande
 |
 |
| Spanische. Kunst |
Niederländische Kunst |
 König Philipp IV. |
Die
spanische Kunst im Interkolumnium verbildlicht ein Page im Kostüm der Zeit
Philipps IV., der eine mit Points d'Espagne applizierte Tischdecke zeigt. Die
ihm zugewandte Symbolfigur der Niederlande ist eine vornehme Dame in Art der Van
Dyck-Portraits. Sie trägt ein prachtvolles, spitzenbesetztes Brokatkleid,
ein Spitzentuch in der Rechten, einen zusammengeklappten Fächer in der Linken. Haarschmuck,
Collier sowie eine reich mit Steinen verzierte Brosche in Form einer Rose
vervollständigen ihre Erscheinung. Den Hintergrund bildet eine mit Nelken
ornamentierte, gepresste Ledertapete.
Der in ein reich besticktes Wams gekleidete Kavalier hält mit beiden
Händen einen prunkvollen Korbdegen. Vom Dunkel des Wamses heben sich die
weißen, spitzenbesetzten Ärmel und die Tellerkrause ab. Auch hier wurde
der Hintergrund von Ernst Klimt tapetenartig ausgeführt. |
18. Italienische Hochrenaissance
 |
 |
| Typus Violante |
Alessandro Farnese |
 Violante, Tizian |
Den Beginn der
Italienischen Hochrenaissance verkörpert ein Page im Interkolumnium. Er trägt
ein florentinisches Kostüm mit eng anliegenden Beinkleidern und samtenem Oberteil und entnimmt der großen Majolikavase, nach dem Vorbild Orazio Fontanas, eine Blüte. Das Möbel ist eine reich geschnitzte florentinische Hochzeitstruhe.
Die lautenspielende Symbolfigur ist eine Umsetzung der Tizianischen Violante.
Der ihr über die Schulter blickende Putto mit einem aufgeschlagenem Notenblatt
verfolgt ihr Spiel. Als männliches Pendant fungiert Alessandro Farnese,
Herzog von Parma und Piacenza, in seinem prachtvoll getriebenen Prunkharnisch
des Mailänder Meisters Lucio Piccinino.
Das Interkolumnium lässt Ernst Klimt rechts mit dem monumentalen bronzenen Kandelaber
in der Art des berühmten Leuchters aus dem Museo Correr in Venedig
abschließen. |
© Hedwig Abraham, Juli 2002
Zurück zu den , zur oder zum von Werbeka Netshop
Seite erstellt am 10.9.2002
webmaster@werbeka.com
|