Klo & So
Museum für historische Sanitärobjekte


Tatsächlich, so ein Museum gibt es. Wenn auch Sie, lieber Leser, jetzt ein bisschen abschätzig lächeln, dann sind Sie sicher nicht allein. Aber geben Sie auch gleich zu: die Idee ist so ausgefallen, dass man ganz einfach hingehen und sich das ansehen muss. Ich musste jedenfalls.

Das Museum findet man in der Traungasse 4. Es ist übrigens ein altes Haus mit Tradition. Schon 1587 wird der Salzfertiger Egydi Starrl als Besitzer geführt. Danach ist es Herberge für Salzwarenhändler, Schlosser und Schneider, dient als Kaserne und später einem Fleischhauer namens Karl Pepöck, der auch den Namen des Hauses prägte. Es heißt heute noch Pepöckhaus, obwohl es seit einem guten Jahrzehnt im Besitz der Gemeinde ist.

Und wissen Sie, wenn man unsere gewöhnlichen, weißen Muscheln im Sinn hat, wenn man dort hineingeht, dann werden einem wirklich die Augen geöffnet. Es werden nämlich erstaunliche Stücke vorgeführt. Ich hatte keine Ahnung, dass man seine Bedürfnisse mit soviel Eleganz verbinden kann. So hatte Kaiserin Elisabeth in ihrem griechischen Schloss Achilleon ein Bidet, dessen Schale mit Buntdekor und Mattgold verziert ist - hier können Sie es sehen.
Und so mancher fürstliche "Thron" ist ein wahres Prunkstück, was Farben- und Formenpracht betrifft.

Es werden aber auch ältere Stücke gezeigt, als die Wasserspülung noch in weiter Zukunft lag. Interessant ist hier der Einfallsreichtum, mit dem man die wahre Aufgabe des "Möbels" kaschiert hat. Vom "Stockerl" bis zum Bücherstapel gibt es alle Varianten.

Es gibt aber auch erläuternde Texte, aus denen man Neues lernen kann. So erfahre ich, dass schon 1775 der Siphon, also der Wasserverschluss, im Toilettenstuhl erfunden wurde, was endlich Geruchlosigkeit garantierte.

Es sind aber auch nicht nur Prunkstücke, die hier ausgestellt werden. Da steht zum Beispiel eine abgeschlagene Wasserkanne auf einer Bassena - ich erinnere mich noch genau daran, wie schwer die war, als ich als Bub Wasser holen gehen musste. Zu allem Übel lag der Wandbrunnen auch noch einen Halbstock tiefer ...

Dann gibt es eine Badewanne aus Blech, aber mit gerundetem Boden - das nannte sich Schaukelbadewanne. Natürlich gibt es auch Waschbecken, Spucknäpfe, Leibschüsseln und Nachttöpfe in verschiedenen Ausführungen und Verzierungen. Eine Löwenpranke als Fuß eines Bidets ist mir heute noch in Erinnerung. Schließlich zeigt man auch ausländische Stücke, einige kommen sogar aus Japan und China, dem Mutterland des Porzellans.

Zum Abschluss noch ein wenig Sprachgeschichte: das Wort Toilette kommt aus dem Französischen, wo man den Locus im Zimmer stehen hatte, aber mit Tüchern abdeckte. Und das Tuch heißt eben "la toile" in dieser Sprache.

Aus dem Französischen kommt übrigens auch die englische Bezeichnung "loo". In früheren Zeiten schüttete man ja den Inhalt des Nachttopfes einfach durchs Fenster auf die Straße. Aber man hatte immerhin soviel Mitgefühl mit Passanten, dass man vorher hinunterrief: "gardez l'eau" (Vorsicht, es kommt Wasser). Dieses l'eau übernahmen die Engländer und es wurde zu ihrem loo.

Unser Klosett dagegen hat ältere Wurzeln - es kommt aus dem lateinischen "claustrum", das, wie etwa die Klause oder das Kloster, mit "einsperren, abschließen" zu tun hat.
Zum Römerreich, übrigens: wer etwa glaubt, dass die Inschriften in unseren öffentlichen Anlagen ein Auswuchs der Neuzeit sind, der lasse sich belehren, dass dies schon im alten Rom verbreitet war. Nur gab man dort - statt einschlägigen Telefonnummern - Tipps und Tricks der Weisen Griechenlands weiter. So fand man an der Wand einer Bedürfnisanstalt in Ostia, dem Hafen Roms, den folgenden Spruch eingeritzt: "UT BENE CACARET VENTREM PALPAVIT SOLON", was in direkter Übersetzung bedeutet: um gut zu kacken, rieb Solon den Bauch.

In Rom war es übrigens die Glücksgöttin, die Fortuna, die für die Latrinen zuständig war - eine Logik, die sich durch die Jahrhunderte bis zu meinem Großvater erhalten hat, denn der behauptete: "Wer auf Gott vertraut, der braucht kein Kraut."



© Bernhard Kauntz, Västerås 2003

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last update: 26.10.2003 by webmaster@werbeka.com