Wien 6., Mariahilfer Straße
Wenn man allerdings den Westbahnhof Richtung Stadt verlässt, kommt man zunächst auf den Europaplatz, der von der Mariahilfer Straße gekreuzt wird. Stadtauswärts führt diese bis zur Schlossallee von Schloss Schönbrunn (Straßenbahnlinie 58), aber stadteinwärts ist die Mariahilferstraße eine traditionelle Einkaufsstraße. Früher wurde sie nur von der Kärntner Straße überglänzt, heute hat sie in den anderen Bezirken viel Konkurrenz, nicht zuletzt durch die neumodischeren Shopping-Zentren.
![]() Bevor wir uns jedoch auf den Weg machen, gehen wir schnell einen Kaffee trinken, und zwar im Café Westend, gleich an der Ecke zum Europaplatz. Es gibt zwar später jede Menge Straßencafés, aber das Westend ist mindestens ebenso traditionell, wie die Mariahilfer Straße an sich. Zwar haben sowohl das Gebäude, als auch das Café selbst schon bessere Tage gesehen - ein eventuelles Loch in der Lederbank übersieht man geflissentlich mit Gleichmut - aber dafür werden Sie vom den Kellnern noch immer im Frack bedient und die Einrichtung ist auch noch aus der "guten alten Zeit". Die Mariahilfer Straße hat ihren Namen seit 1862 nach dem 6. Bezirk in Wien, der eben Mariahilf heißt, aber eigentlich bildet sie die Grenze zwischen dem 6. und dem 7. Bezirk. Die ursprüngliche Ortschaft wurde im 17. Jhd. gegründet und erhielt den Namen Mariahilf nach einem Gnadenbild. Die Länge der Straße vom Westbahnhof bis zum Ring im Zentrum beträgt etwa zwei Kilometer, führt aber in dieser Richtung bergab. Das Aussehen der Straße hat sich im Lauf der Jahrzehnte stark verändert. Hier fuhren früher Straßenbahnen mitten im Verkehr, dann wurde sie zur Fußgängerzone und ist heute ein Mittelding - es gibt recht breite Gehsteige, aber Autoverkehr ist zugelassen.
Herzmansky war damals (1897) das größte Textilwarenhaus in der Habsburger Monarchie. Heute drängen sich internationale Modeshops, wie Esprit und H&M, oder riesige Elektronikgeschäfte mit kleinen Briefmarkenverkäufern oder Tabakläden, die es irgendwie geschafft haben, zu überleben.
Die Seitenstraßen rechter Hand fallen nun sehr steil ab, hinunter zum heute überdeckten Flussbett der Wien und zum Naschmarkt. Viele Straßen sind so steil, dass sie nur mit Hilfe von Stiegen den Höhenunterschied bewältigen können. Erwähnenswert ist, dass die Fillgrader Stiege im Jahr 2004 zur viertschönsten Stiege Europas erkoren wurde.
Letztlich ist auch das Museumsquartier, das am unteren Ende der Mariahilfer Straße liegt, ein prächtiges Beispiel dafür. Im Anschluss an die zwei großen Museen an der Ringstraße, an das Naturhistorische und das Kunsthistorische Museum, lagen die einstigen kaiserlichen Hofstallungen. Man ließ die alten, barocken Gebäude als Fassade stehen, schuf im Innenhof aber zwei hochmoderne, neue Museen und erbaute so eines der zehn größten Kulturareale der Welt. Hier gibt es außerdem Platz für Festivals, Künstlerateliers, Vortragssäle, ein Tanzquartier und nicht zuletzt Bars und Cafés, die zwar nicht traditionsträchtig sind, inmitten der 1725 errichteten Gebäude jedoch den Bedarf einer modernen Großstadt erfüllen.
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